Seelen-Kick

Fußballer sind auch nur Menschen. Nicht unbedingt beim Gehalt, da sind sie eher Übermenschen. Aber sonst. Deshalb ist es auch völlig in Ordnung, wenn die Deutsche Nationalmannschaft nach dem Tod von Torwart Robert Enke „mental den Kopf noch nicht frei hat“ und sich schwertut mit beinhartem Fußball gegen die Elfenbeinküste. Alle haben das nach dem Spiel vom Mittwochabend gesagt, dass man da Verständnis haben muss, und die Kommentatoren haben es auch geschrieben. Schließlich haben einige Spieler vor dem Kick sichtbar geweint beim Andenken an den toten Freund und Kollegen. Das muss man einfach verstehen.

Die Ivorer, wie der Afrika-Kenner die Bewohner von Côte d’Ivoire gern nennt, haben es da leichter. Ihr Psycho-Gepäck beschränkt sich auf einen läppischen Bürgerkrieg mit marodierenden Kindersoldaten-Banden und die freudige Tatsache, dass sich die Elfenbeinküste in der Human Development Liste auf Platz 166 von 177 vorgearbeitet hat. Wer so frank und frei Fußball spielen kann, der bringt schon mal die deutschen Depri-Dribbler in Bedrängnis.

Nein, das soll nicht zynisch klingen, aber man fragt sich doch, wie die deutsche Auswahl wohl spielt, wenn erst der Klimawandel in ihr Bewusstsein dringt, Aids in den südafrikanischen Townships oder wenn die Spieler zufällig die Spendengala der Deutschen Welthungerhilfe vor dem Anpfiff gesehen haben. Dass unter diesem Eindruck ein präziser Pass nicht mehr möglich ist oder gar das unbarmherzige Abziehen aufs Tor, das versteht sich ja nun wirklich von selbst.

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