Die Linke und die Stasi

Nur, um es einmal sorgfältig aufzuschreiben: Die Fraktionschefin der Brandenburger Linken, Kerstin Kaiser, war ehedem IM. Der Landesvorsitzende der Brandenburger Linken, Thomas Nord, war IM. Landtagsvizepräsidentin Gerlinde Stobrawa wird zwar als IM „Marisa“ geführt, wusste davon aber nichts und hat auch niemandem geschadet… Zwei weitere Mitglieder der Links-Fraktion waren ebenfalls  IM.  Und nun kommt auch noch frank und fröhlich Gerd-Rüdiger Hoffmann um die Ecke und hat völlig vergessen, dass er auch als IM unterschrieben hatte. Für wie blöd sollen wir hier eigentlich verkauft werden!

Zwanzig Jahre lang zerrauft sich dieses Land über das Thema Stasi, zwanzig Jahre ringt sogar die SED-PDS-Linke selbst mit dem Thema und sich am Ende dazu durch, dass – naja, also, ehm – es nicht so gut war – hüstel – und man es auch als Linksgenosse zumindest sagen muss. Erst danach kann man auf viel Verständnis in den eigenen Reihen hoffen wegen der historischen Umstände, des Kalten Krieges und der historischen Mission der Arbeiterklasse. Fünf von 26 Links-Abgeordneten in Brandenburg waren IM. Wobei noch nicht einmal die Rede davon ist, was sie berichtet haben, von der schmutzigen Wäsche der Komilitonen (Kaiser) oder den verratenen Fluchtplänen (Nord). Ein  Fünftel der Fraktion! So hoch lag nicht einmal die Quote der SED-Mitglieder in der DDR (2,3 Millionen von 17 Millionen), von den Stasi-Mitarbeitern ganz zu schweigen.

Es gibt mit ihm keinen Schlussstrich, hat Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) zum Thema Linkspartei gesagt. Da hat er recht. Es ist ein lupenreiner Neubeginn. Ein Fünftel Stasi in der Fraktion ist nicht die Integration und Mitnahme ehemals systemnaher oder mitlaufender Ostdeutscher. Es ist erst recht keine linke Volkspartei, der die soziale Gerechtigkeit in der Bundesrepublik am Herzen liegt. Es ist einfach die Rückkehr der DDR-Nomenklatura mit anderen Mitteln. Und so lasst uns denn das Glas erheben auf den 20. Jahrestag des Mauerfalls, denn ohne ihn hätten diese Kameraden nicht einmal das Wenige dazugelernt, was sie gelernt haben. Und weglaufen könnte man auch nicht. Nicht auszudenken, wenn all die Alt-Kader heute nicht so gut mit Mandaten integriert wären und statt dessen womöglich normaler Arbeit nachgehen müssten!

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Eine Antwort to “Die Linke und die Stasi”

  1. kroraina Says:

    „Es ist einfach die Rückkehr der DDR-Nomenklatura mit anderen Mitteln. “

    Das und nichts anderes ist es. Und um die Spaltung der Gesellschaft geht es, die die SPD riskiert, wenn sie sich weiterhin der DDR-Nomenklatura öffnen sollte, denn es ist nicht zu erwarten, dass die Mehrheit der West- und Ostdeutschen die Rückkehr der DDR-Nomenklatura bis hin zur Beteiligung an einer Bundesregierung tolerieren wird, wenn sie endlich das begriffen hat, was du mit dem einen Satz ausgedrückt hast. Es ist allerdings zu bezweifeln, dass die Herren Lehrer und Diplom Soziologen der heutigen SPD so viel Realitätssinn haben, dass auch sie es begreifen.

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