Klima und Verzicht

Nichts ist in der westlichen Welt so unpopulär wie Verzicht. Und so ist es denn dieser Tage auch nicht verwunderlich, dass in der Klima-Debatte immer wieder versucht wird zu erklären, wir könnten den Klimawandel durch moderne Technologie ohne Verzicht und Brüche aufhalten. Man könnte diese Rhetorik auch als „Einheits-Syndrom“ bezeichnen: als die Angst handelnder Politiker ein unzweifelhaft sinnvolles Projekt (wie ehedem die deutsche Einheit) dadurch zu gefährden, das der träge Lümmel Volk womöglich keine Lust hat. Nun mag dies tatsächlich mitunter vorkommen, dass die Erwartung von Erschwernis, zu kollektiver Verhinderung führt. Im Falle der ehrgeizigen Klimaziele, die sich die eifrigen Retter der Welt selbst gesteckt haben, wird das kaum möglich sein. So ernst sollten die Vorkämpfer fürs Klima ihre eigenen Ansagen schon nehmen.

Wer bis 2050 80 bis 100 Prozent der CO2-Emissionen abschaffen will, der verordnet sich selbst einen Technologie-Sprung, gegen den die industrielle Revolution ein (klimafreundlicher) Pups war. Das Problem ist, dass gerade in den reichen Ländern sich viele um die einfachsten naturwissenschaftlichen Zusammenhänge nicht mehr kümmern und überhaupt „die Gesellschaft“ als eine dritte Person jenseits ihrer selbst sehen. Wer auf Elektro-Autos umsteigt, mag ein gutes Gefühl haben, am Energieverbrauch ändert er gar nicht (erster Hauptsatz der Thermodynamik). Erst wenn die komplette Energieversorgung auf regenerative Quellen umgestellt ist, wird das der Fall sein. Bis dahin entsteht der Dreck nur nicht mehr beim Auspuff, sondern woanders. Bis aber etwa Transatlantikflüge per Batterie möglich sind (und neben die Akkus noch Fluggäste passen), dürfte noch einige Zeit in die Welt gehen.

Mit anderen Worten, das Versprechen von bruch- und verzichtsloser Klimarettung ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Mogelpackung. Tatsächlich werden wir beispielsweise unsere Mobilitätskonzepte überprüfen müssen: Vielleicht wird dann nicht mehr jedes Ziel der Welt für jeden kurzfritstig zu erreichen sein. Vielleicht werden wir nicht mehr über zig Kilometer pendeln und nur aus dem wirtschaftlichen Nahfeld konsumieren.

Und auch die gewaltigen Transfer-Summen, die in Kopenhagen verhandelt werden (zwischen 300 und 500 Milliarden USD jährlich) werden bezahlt werden müssen. Und außer uns Menschen ist niemand da, der das tun würde. Flugbezinbesteuerung und Abgaben auf Frachtschifffahrt liegen auch in Europa schon als Konzept in der Schublade. Fazit: Flugreisen werden teurer und alle Güter mit verschiffbaren Teilen. Wer also immer wieder mit Nachdruck von der Politik die Rettung des Weltklimas fordert, der sollte zunächst einmal an sich selbst heruntersehen und sich fragen, was er dafür an Opfern zu bringen bereit ist. Schnäppchen-Logik wird es beim Klima nicht geben.

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