Klima-kterium oder Welt-Wechseljahre der Energie

Der Klimawandel ist ein rechter Glücksfall. Nach mehreren erfolglosen Probeläufen wie „Waldsterben“, „Ozonloch“ oder „Tschernobyl“ hat sich endlich eine Katastrophe gefunden, die hinreichend komplex ist, um auch für die kritischste Öffentlichkeit nicht nachprüfbar zu sein. Dass die prognostizierte Entwaldung Deutschlands innerhalb weniger Jahre ausgeblieben ist, ließ sich mit einem schlichten Spaziergang verifizieren. Beim Ozonloch rätselten Wissenschaftler öffentlich darüber, weshalb die vorhergesagte dramatische Ausbreitung sich so nicht zugetragen hat. Und auch das böse Omen immer wiederkehrender Nuklearunfälle bei Atommeilern ist bislang ausgeblieben.

Beim Klimawandel hingegen hat es eine kleine Wissenschaftler-Sparte in der Hand, die gesamte Weltpolitik in Aktion zu versetzen, weil die ausgemalten Folgen gigantisch wären – wenn sie recht hätten. Ein Risiko, auf das es niemand ankommen lassen will. Endlich ist nun ein Weltuntergangsszenario gefunden, dass vorab nicht überprüfbar ist und auf das auch diesmal wie bei den Vorgängern, die geballte Zivilisationsskepsis des Westens, die Kapitalismuskritik der entsprechenden Milieus und die Sehnsucht aller sinnsuchenden Engagierer projiziert weden kann, endlich eine gute, rettende Mission zu verfolgen.

Zwar gibt es Unklarheiten bei den zugrundeliegenden Klimakurven und berechtigte Zweifel, ob nach Millionen Jahren Leben auf der Erde und nur 150 Jahren Wetteraufzeichnung aussagefähige Hochrechnungen möglich sind, aber im Großen und Ganzen bewegt sich die Skepsis der nüchternen Klimabeobachter notgedrungen auf dünnem Eis. Die Alarmisten haben die Datenhoheit, und so gründen sich Zweifel beispielsweise darauf, dass hochkomplexe Klimamodelle miteinander verrechnet werden, deren Fehlerstreuung bereits in den Einzelteilen nur grob kalkuliert werden kann. Beim Gesamtmodell muss sich deshalb zwangsläufig auch die mögliche Fehlervarianz potenzieren, so dass bei der angenommenen Erwärmung ebenso große Abweichungen möglich sind wie bei der Wirksamkeit der geforderten Gegenmaßnahmen.

In der jüngsten Publikation des Potsdamer Klimaforschers Hans Joachim Schellnhuber über so genannte Kipp-Punkte des Weltklimas befasst sich jede einzelne Problemstudie mit so weit verzweigten komplexen Systemen, dass es am Ende wie unglaubliche Selbstüberhebung anmutet, diese Teilaspekte zu einem Gesamttrend zu verbinden. Wer beispielsweise den Staubeintrag der Bodele-Senke im Tschad in die Atmosphäre mit all ihren Wechselwirkungen verlässlich erfassen  will, hat ein Lebenswerk vor sich. Aber gleich acht Systeme dieses Kalibers miteinander zu einem gültigen Klimamodell zu verflechten, ist ein Unterfangen, dass dem Finden der Weltformel aus Relativitätstheorie und Quantenmechanik in nichts nachsteht.

Vor diesem Hintergrund sind die Behaupter des Klimawandels im Vorteil, weil sie mit Zahlen und Theorien aufwarten, die kein Mensch nachvollziehen kann. Die Skeptiker dagegen können sich nur auf wissenschaftstheoretische Erfahrungen berufen und als unverantwortliche Welt-Hasardeure beschimpfen lassen. Und wenn in zwanzig Jahren kein Klimawandel ist, dann haben nicht etwa die Alarmisten geirrt, sondern werden ihren Erfolg feiern.

Ein Gutes hat die ganze Plotte immerhin: Grundsätzlich schaden kann es so oder so nicht, sich vom Verbrennen fossiler Rohstoffe loszumachen. Nur wäre das eben auch durch Forschungsinvestitionen erreichbar, die vermutlich nur einen Bruchteil der Kopenhagener Milliarden ausmachen würden.

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