Der Islam und die Karikatur der Freiheit

All die Debatten haben nichts gebracht. Der jüngste Angriff auf den Zeichner der sogenannten Mohammed-Karikaturen, Kurt Westergaard, hat in Deutschland Reflexe wieder aufleben lassen, als ob es nie eine Islam-Debatte gegeben hätte.

Am originellsten war da noch der Beitrag im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung, in dem feinsinnig zwischen der intelligenten Islam-Kritik eines Salman Rushdie („Die satanischen Verse“) und der plumpen Provokation durch die Karikaturen unterschieden wurde. Wenn also der intellektuelle Anspruch von Äußerungen zur Religion über deren Berechtigung entscheidet, müsste konsequenterweise eine Art Wächterrat über Zulassung und Zurückweisung solcher künstlerischen Wortmeldungen befinden. Man kann nicht glauben, dass der Autor des Beitrags dies wirklich meint und will. Dass bei abschlägigem Bescheid der heimische Angriff des Schmähkritikers mit Axt und Messer gerechtfertigt wäre, wird gleichfalls niemand ernsthaft vertreten wollen.

Verschiedentlich ist auch wieder auf das islamische Bilderverbot und die verständliche Empfindlichkeit der Muslime gegenüber solchen Darstellungen hingewiesen worden. All das ist richtig und doch keine Rechtfertigung. Vor allem aber ist es durchsichtig, weil die meisten der überaus sensiblen Islam-Versteher den gleichen Schutz religiöser Gefühle vermutlich nicht für Kardinal Meisner oder Bischof Mixa erkämpfen würden. So kommt denn über den Karikaturen-Streit am Ende doch wieder das allzu westliche, antikapitalistische, gesellschaftskritische Mütchen zum Vorschein, dass auch an diesem untauglichen Objekte gekühlt werden soll.

Denn während der Muslim den prallen, farbenfrohen Multikultur-Charme von Tausend-und-einer-Nacht und den daraus erwachsenden verständnisvollen Exoten-Schutz genießt, möchten sich die Kritiker sehr wohl das freiheitliche Recht zur Schmähung des vertrauten einheimischen Klerus‘ vorbehalten. Einen Schutzschirm für die religiösen Gefühle von Christen – bayerischen Katholiken wie norddeutschen Protestanten – hat zumindest vernehmbar noch niemand gefordert, obwohl doch die Hochburg des Islam-Verständnisses ziemlich genau dort zu finden ist, wo gleichzeitig das Kruzifix als „Latten-Sepp“ tituliert und die Amtskirche zum Inbegriff rückwärtsgewandter Heuchelei erklärt wird.

Am Ende wird man sich entscheiden müssen, zwischen Gottesstaat und freiheitlicher Ordnung. In beiden Fällen gilt das dann für alle – entweder stehen alle Götter unter Schutz oder alle Meinungen sind frei.

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