Fundstück aus dem DDR-Alltag

Vielleicht tut es all den Debatten über die DDR ganz gut, hin und wieder mal von den großen IM-Verstrickungen und den Blöcken im Kalten Krieg weg den Blick auf den Alltag zu lenken. Nehmen wir zum Beispiel einen ganz normalen Aufsatz aus dem „Niederschriften“-Heft von Christine L. (damals 8 Jahre alt, Klasse 3b in Berlin-Weißensee), der mehr über System, Atmosphäre und die Mitmacher daran sagt, als lange Historiker-Vorträge.

Montag, den 29. Oktober 1973 Die Feierstunde der Klasse 3b zum Tag der Republik (1.Niederschrift)

„Die Feierstunde zum Tag der Republik fand am 4. Oktober im Erdgeschoß unserer Schule statt. Die Klassen 1 – 3 nahmen am Appell teil. Zuerst begrüßte uns die Pionierleiterin mit dem Pioniergruß „Seid bereit“. Dann bat die Schülerin Katrin Wiesner um die Meldungen der Klassen 1- 3. Danach sangen wir das Lied: Unsere Heimat. Hinterher sagten 3 Schüler ein Gedicht auf. Einige Schüler der Klasse 3a lasen danach die Verpflichtungen vor. Anschließend wurde von zwei Pionierleiterinnen eine Gratulation für Willi Stoph und Horst Sindermann vorgelesen. Zum Abschluss sangen wir das Lied „Bunt geschmückt sind alle Häuser.“

Der Aufsatz stammt aus der 3. Klasse wohlgemerkt. Liegt es an mir, dass bei den Erinnerungen an solche Appelle Beklemmungen kriege?

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