Immer muss man alles selbst machen! Heute: den Islam reformieren

Beim Online-Auftritt der Süddeutschen Zeitung steht das Thema unter „Job & Karriere“. Junge Menschen, die noch etwas unentschieden in ihre berufliche Zukunft blicken, sollten demnach überlegen, ob Moscheevorstand nicht eine spannende Alternative zu Mediendesigner oder Versicherungskaufmann wäre. Kauffrauen kommen vermutlich nicht in den Genuss dieses Job-Angebots.

Auch der Leitartikel von Matthias Drobinski legt den Verdacht nahe, es handle sich vor allem um ein Personalproblem der muslimischen Welt dem hier Abhilfe geschaffen werden soll: „Dem Islam fehlen in dramatischer Weise Gläubige und Gelehrte, die in dieser Form fromm und aufgeklärt zugleich sind. Sie fehlen nicht, weil der Islam prinzipiell bildungsfeindlich, reformunfähig und aggressiv ist, wie jene platte Islamkritik annimmt, die sich derzeit ausbreitet und die sich der Stereotypen des 19. Jahrhunderts bedient, wonach Muslime so exotisch wie erotisch wie denkunfähig sind. Es gibt ja muslimische Gelehrte, die beschreiben, wie ein reflexionsbegabter und dialogfähiger Islam aussehen könnte, in der Türkei, in den USA, in Europa. Nur sind sie in der Minderheit, werden beschimpft und bedroht, müssen ihre Heimatländer verlassen, werden Märtyrer ihres Glaubens.“

Und das muss anders werden. Deshalb sollen deutsche Hochschulen nun also Imame ausbilden, um den Aufklärungs- und Reformstau der muslimischen Welt endlich zu beheben. Schon lästig, dass wir hier im Westen uns auch damit noch rumärgern müssen, aber wenn der Muselmann nun mal nicht zu Potte kommt mit seinem Glauben, müssen eben deutsche Fakultäten ran um die Mehrheitsverhältnisse zwischen „wahren“, aufgeklärten und falschen Moslems wieder ins Lot zu bringen. Nun ist nicht bekannt, ob die geistlichen Führer Arabiens, Persiens, im Pazifischen Raum oder in Afrika auf die deutsche Bildungsoffensive warten. Fakt ist, dass die einzurichtenden Lehrstühle, die der Wissenschaftsrat sich vorstellt, nicht nur recht teuer sind, sondern auch die „plurale Vielfalt des Islam“ widerspiegeln sollen. Ein oder zwei Hassprediger wird mal also wohl oder übel ihre Seminare abhalten lassen müssen.

Während die Finanzierung lösbar erscheint, etwa zu gleichen Teilen aus den Etats für Entwicklungshilfe (Niebel) und Antiterrorkampf (de Maiziere), ist das mit den Inhalten so eine Sache. Glaubt im Ernst wer, dass die Verfechter von Burka und Fatwah gegen Karrikaturisten sich durch eine abendländische Imam-Schwemme in die Minderheitsposition drängen lassen? Will man die Freizügigkeit, die christlichen Kirchen bei der Theologen-Ausbildung gewährt wird, kassieren, sobald unwillkommene Doktrinen vom Katheder verkündigt werden? Dann wäre es eine Farce. Und wie weit soll überhaupt die „Aufgeklärtheit“ des hiesigen Islam gehen? Kopftuch ja, Burka nein? Ausstoß vom Glauben Abgefallener (nach Hadith) ja, aber keine Steinigung? Oder wollen wir den guten Muslimen nicht gleich unsere Lebensweise per Hausordnung zur Absegnung vorlegen? Dann könnten wir die erwähnte Kauffrau auch zur Imamin umschulen.

Die deutsche Imam-Akademie ist eine gute Idee, sie ist zumindest gut gemeint. Die Probleme werden dort beginnen, wo sich die diversen Islam-Vertreter darüber einigen müssen, welche Gemeinschaft die Gelehrten für eine Uni stellen darf und welche nicht. Die Unis wiederum werden selbst auswählen wollen, welcher Islam da gepredigt wird, und auf deutsch soll es vermutlich auch noch sein. Entweder wird dieser deutsche Aufbaukurs Koran keine Akzeptanz unter den Muslimen finden oder er fügt ihnen eine weitere Splittergruppe hinzu.

Man wird sich wohl damit abfinden müssen, dass die jeweiligen Kultur- und Religionskreise sich ihre Nachwuchsseminare selbst aussuchen. Und genau genommen, würde ich mich auch dagegen verwahren, wenn Großayatollah Chamenei eine christliche Fakultät in Teheran eröffnen würde, die beispielsweise die antijüdischen Traditionen des Christentums wieder mehr in den Mittelpunkt rücken würde. Nur mal so als Beispiel.

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16 Antworten to “Immer muss man alles selbst machen! Heute: den Islam reformieren”

  1. Jörg Schulze Says:

    Die Hausordnung gibt’s doch schon, heißt „Menschenrechte“, wird aber im Moment nur halbherzig durchgesetzt (de Maiziere“) und von einigen Nutznießern leichtfertig abgewertet (Flitzpiepen -Feuilletonisten).

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  2. alien59 Says:

    Vor allem der letzte Absatz: Zustimmung.
    http://alienineurope.wordpress.com/2010/02/01/muslime-sagt-nein/

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  3. K.Theissen Says:

    J.Schulze hat es kurz und knapp auf einen einfachen Nenner gebracht. Dem ist nichts hinzuzufügen…

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  4. 6kraska6 Says:

    Es ist immer ermutigend und erleichternd, festzustellen, daß es bzgl. des Islam DOCH NOCH ein paar illusionslose, gescheite, aufgeklärte Köpfe gibt! Danke.

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  5. sayadin Says:

    Na ja, kurz und knapp ist was anderes, aber ich kann es nachvollziehen. Allerdings ist die islamische Intelligenzia dabei Gegenmodelle zum Brutaloislamismus zu entwickeln. Das Blöde ist nur das all die guten Leute ihr Leben riskieren.
    Aber ich habe den Eindruck, siehe Iran, das den Leuten langsam der Kragen platzt.

    Der Islam ist im Moment in der selben Situation wie Europa zur Zeit des 30 jährigen Krieges. Es wird noch ne weile dauern bis sich die islamische Gesellschaft wieder zivilisiert hat.

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  6. redhavoc Says:

    Toller Artikel zu einem auch meiner Meinung nach schwierigen Thema. Wie wärs? Imame and der katholischen Uni Münster ausbilden? Ist doch bestimmt noch ein bisschen Platz. Noch mal: toller Artikel!
    Schöne Grüße

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  7. Exo Says:

    Meine Rede. Guter Beitrag!

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  8. Häle Alwin Says:

    Die Lösung ist eigentlich einfach:

    Eine Präambel in Verfassung und Religionsgesetz in der die Islamverbände unisono erklären: „Wir wollen hier in Frieden und Freiheit in gegenseitiger Achtung mit allen Menschen zusammenleben. Der Koran ist für uns nicht letztes und unumstößliches Wort Gottes sondern ähnlich dem Alten Testament in der christlichen Lehre, nur spiritueller Hintergrund. Die islamische Lehre, Sitten und Gebräuche darf niemals als Begründung für eine Gesetzesverletzung oder eine Relativierung der deutschen (europäischen) Gesetze herangezogen werden. Wir garantieren, dass die Scharia niemals eingeführt wird.

    Diese Erklärung kann auch durch muslimische Mehrheiten nicht außer Kraft gesetzt werden.“

    Diese Erklärung müßte längst von unseren Politikern und von den Kirchen gefordert, und zwar unter Druck gefordert werden. Aber wir haben in Politik und Kirchen – Ausnahmen wie Thilo Sarazzin bestätigen diese Regel – nur „Schleimscheisser“.

    Alwin Häle
    A-6835 Muntlix
    Eschenrain 28

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  9. tintenkiller Says:

    Wo bleibt die Freiheit der Forschung, wenn die Islamverbände die Lehrinhalte bestimmen? Das ist wieder so ein Schildbürgerstreich mit dem man die geistige U n r e d l i c h k e i t sogar an Unis festklopft.
    Wer kontrolliert einen Universitätsprofessor auf seine Loyalität unserem Grundgesetz gegenüber? Er kann sich immer mit Freiheit der Lehre herausreden. Und das braucht er nicht einmal; denn der Koran ist durch und durch undemokratisch. Wenn er nur lehrt was darin steht, ist er gegen die Menschenrechte. Im Islam stehen sie alle u n t e r der Scharia! Ein Pflichtkurs für Studierende, der aufzeigt, wie kritisches Denken gegenüber Religionen aussieht, wäre dringend notwendig – für unsere Leute übrigens auch. Hierher gehört als Maßstab für die Bewertung einer Religion die Frage nach ihrem Menschenbild. Ist es p o s i t i v ? Steht der Mensch im Zentrum oder sind es Macht-ansprüche? Auch der sog. Europäische Islam sieht den Menschen als Untertan. Er soll es nur f r e i w i l l i g sein, darin liege seine Würde. Was bei diesem Diktat der freiwilligen Unterwerfung herauskommt, ist Masse im klassischen Sinne. Ergo: Das Menschenbild des Islam ist negativ und passt in keiner seiner div. Stömungen – echte Varianten sind es nicht – zur Demokratie. Dazu müsste er die Scharia u n t e r die Menschenrechte stellen, was er aus seinem innersten Wertebewusstsein nicht tun kann, beim besten Willen nicht. Reicht das nicht, um zu sagen, wir geben einer Lehre der Zerstörung (wie sie uns unverhohlen präsentiert wird und nachzullesen ist) einen noch breiteren Raum, verbrämen sie mit einer Autorität, die ihr nach unseren Maßstäben nicht zusteht, – machen den Bock zum Gärtner!
    Wo kein Dialog ohne Tabus möglich ist, kann man doch nicht ernsthaft eine Begegnung mit dem „lebendigen Geist“
    erwarten. Diesen Grundsatz lese ich z.B. über dem Eingang der Uni Heidelberg als Widmung. Dort hätte die im Voraus begrenzte und festgelegte, dem freien Geist feindlich gesinnte Lehre des Islam schon mal keinen Zutritt.

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  10. Islamdebatte in Deutschland- Zur Anatomie einer komplexen Diskursverwirrung « PAX EUROPA Blog Says:

    […] Immer muss man alles selbst machen! Heute: den Islam reformieren […]

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  11. Gottfried Says:

    Warum nicht gleich einen Lehrstuhl zur Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts einrichten? Es kann doch nicht sein, dass einer Religion, die dazu geschaffen wurde, ALLES auszumerzen, was nicht in deren kleine Welt passt, nun auch noch auf Steuerzahlers Kosten erlaubt wird ihr Gift zu versprühen!

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    • ralfschuler Says:

      Ich würde schon unterscheiden zwischen den Religion und denen, die daraus verbrecherische Schlüsse ziehen. Als Protestant sitze ich natürlich auch mit im Boot, wenn in Belfast Protestanten katholische Schulmädchen mit Steinen bewerfen. Aber genauso, wie ich deshalb nicht das Christentum für solche Schweinereien verantwortlich machen würde, unterstelle ich dem Islam keine weltweite Terror-Strategie als religiösen Kernbestandteil. Mir ging es lediglich darum, dass der Islam seine Hausaufgaben selbst machen muss – schon deshalb, weil er unsere Lernhefte nicht akzeptieren würde. Wir müssen notgedrungen gegen Terroristen und radikale Islamisten kämpfen, ihre Religion reformieren, müssen die Muslime schon selbst. Denn eine Religion, die nicht den Frieden zum höchsten Ziel hat, ist keine Religion. Deshalb sollte man allerdings auch mehr Eifer in der internen Auseindandersetzung der muslimischen Welt über Inhalte und Ziele erwarten. Davon hört man freilich recht wenig.

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  12. sayadin Says:

    Ach, ich glaube die Sache geht den selben Weg wie der Konflikt des 30 jährigen Krieges.

    Wenn man heute zu einem Katholiken sagt „Der da glaubt nicht an die Transsubstanziation, wir müssen ihn killen.“ Dann schaut er einen blöd an und weiss nicht um was es geht. Oder er weiß um was es geht und kommt mit blöden Argumenten um die gute, blutige Tat zu verhindern.

    Da hat man bei einem Taliban schon eher Erfolg. Wenn man dem sagt „lass uns ne Bombe bauen“, dann ist er dabei und es ist ihm scheissegal wen er trifft. Gott wird dann schon sortieren.

    Na ja, jedenfalls wie hat sich das mit dem 30 jährigen Krieg gelöst? Man hat sich in Münster und Osnabrück getroffen und Tage, Wochen und Monatelang geschwafelt. Die Städte haben immer mehr gestunken. Und nach der Konferenz haben alle Beteiligten zu Hause mit ihren Leuten geschwafelt.

    Bis die Leute im grossen und ganzen vergessen haben, worum es in dem Krieg überhaubt ging.
    Das lief dann so bis zum ersten Weltkrieg, von dem irgend jemand, ich glaube der Papst, gemeint hat das Luther diesen verloren hätte.

    Das lief dann weiter bis zur Wanseekonferenz wo Heidrich zusammen mit Martin Luther die Vernichtung der Juden beschlossen hat.

    Diese Idee ist dann von den späteren Islamisten aufgenommen worden, die waren gerade auf Sinnsuche, und wenn man auf Sinnsuche ist, dann sucht man sich einen Feind, dann hat man einen Sinn. Die Juden sind an allem schuld. Das scheint zwar im ersten Moment eine blöde Idee zu sein, aber so ist das meisstens mit Ideen, die irgendwie im Zusammenhang mit Religionen oder Idiologien stehen.

    Und bitte keine Gegenargumente, die Juden sind an allem schuld, und das so lange wiederholen bis es alle glauben.

    Die Islamisten haben dann herrausgefunden das die ganze westliche Welt jüdisch und kommunistisch und imperialistisch und von den Amerikanern unterwandert ist und ausserdem ungläubig. Und daher Wert, vernichtet zu werden.

    Denn alles was da lebt ist wert, das es zu grunde geht.

    Also, erst Gewaltphase und dann Schwafelphase, so wird es wohl ablaufen.

    Im Per Anhalter durch die Galaxis schaut der Supercomputer fern und sieht wie ständig einer den anderen frisst. Es ist an sich ein langweiliges Programm, aber ein anderes scheint es nicht zu geben.

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  13. roulettemethode Says:

    Herzlichen Dank, nun endlich habe ich das Problem in der Tiefe kapiert

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  14. Auch ein Blog zieht mal Bilanz « Ralfschuler's Blog Says:

    […] Immer muss man alles selbst machen! Heute: den Islam reformieren January 2010 15 comments 4 […]

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