Westerwelle macht Welle: Wider die Heuchler und Hätschler

Das Spannende an Guido Westerwelles Sozialstaatsdebatte ist weniger die Substanz in der Sache, als vielmehr, ob er am Ende mit seiner Klartext-Offensive Erfolg haben wird, oder ob die allmächtige Fraktion der Sozial-Heuchler an der Macht bleibt. Auch die harschen Reaktionen aus der Union haben gezeigt, dass der Weg des geringsten Widerstands noch immer derjenige ist, sich als fürsorglicher Beschützer der Schwachen zu geben – und da sich geschätzte achtzig Prozent der Deutschen als schwach und bedürftig empfinden, sind damit bislang zumindest gute Mehrheiten erzielt worden. Nicht auszudenken, wenn Westerwelle und die FDP am Ende Zuspruch erhielten für den Ausbruch aus dem Kartell der Heuchler und Hätschler.

Jeder, der mit Hartz IV-Empfängern zu tun hat, trifft und kennt Fälle, von denen man sagen muss: Dafür war Hartz IV nicht gedacht.  Dabei geht es gar nicht nur um den harten Kern der Trickser und Sozialbetrüger, es geht auch um die Unentschlossenen, die selbst zugeben, dass ihnen noch der rechte Antrieb für die Jobsuche fehlt. Es sind die, die gar nicht erst suchen. Es sind die Schwarzarbeiter, die Hartz IV als Basis nutzen. Es sind selbst die, die oft in TV-Beiträgen über ihr „Schicksal“ sprechen und bei denen rasch klar wird, es ist die eigene Trägheit und nicht die Schuld der Gesellschaft. Was man Menschen abnimmt, verlernen sie. Und wenn man morgen auch noch auf Jobsuche gehen kann, geht man halt nicht heute. Wenn Nothilfe auf wirklich Notleidende begrenzt würde, könnte zielgenauer den tatsächlich Bedürftigen geholfen werden.

Doch weil schnell als hartherzig und sozial kalt gilt, wer diese Binsenweisheiten ausspricht, hat sich die Politik angewöhnt, Verständnisrhetorik zu versprühen, wo nüchterne Analyse nötig wäre. Mag sein, dass Westerwelle am Ende überstimmt und in die Wüste gejagt wird. Nur muss dann niemand mehr über steigende Abgaben jammern: Wer einen großzügigen Sozialstaat will, der zahlt auch gern.

Advertisements

Schlagwörter: , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: