Alles Gute zum Frauentag

Vor allem aber kann man Frauen nur wünschen, endlich damit aufzuhören, überall Dinge „als Frau“ zu tun. Wenn Kathryn Bigelow den Regie-Oscar gewinnt, dann gewinnt sie ihn nicht „als Frau“, sondern als Regisseurin und Mensch. Man geht nicht „als Frau“ über die Straße und wird auch nicht „als Frau“ Vorstandsvorsitzende, sondern weil man gut ist.

Die Konstruktion „als Frau“ unterstellt, dass gewissermaßen eine Abspaltung des betreffenden Menschen, ein besonderer Teil von ihm, irgendetwas erreicht hat. Man kann als Immobilienmakler zu Reichtum kommen, „als Frau“ höchstens durch Prostitution. Vor allem aber käme kein Mann auf die Idee, seine Erfolge nicht „selbst“, sondern durch sein Geschlecht erreicht zu haben.

„Als Frau“ ist ein Topos, der nicht zum Erfolg und schon gar nicht zu Gleichberechtigung führen kann, weil er den permanenten, nicht überwindbaren Unterschied anstelle des Menschseins zum Subjekt macht. Eine Frau, die „als Frau“ erfolgreich ist, ist es gewissermaßen trotzdem. Ist sie nicht erfolgreich, ist sie es deswegen. Aber in keinem Falle ist sie ein Mensch, dem ein Schicksal widerfährt, sondern sie reduziert sich willentlich und wissentlich auf ihren Teilaspekt als  Geschlecht.

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8 Antworten to “Alles Gute zum Frauentag”

  1. ikolumen2009 Says:

    Hallo Ralf,

    Du sprichst mir aus der Seele! Da ich in Frauennetzwerken organisiert bin, geht mir die Diskussion einiger Feministinnen manchmal ganz schön auf den Nerv.

    Sieht man meinem Blog an, dass er von einer Frau geschrieben wurde? Kümmert es meinen Computer, dass die Finger weiblich sind? Nein! In diesem Sinne ist auch das Internet das gleichberechtigste und demokratischste Medium das es gibt.

    Ich habe mich auch nie darum geschert ob ich irgend etwas „als Frau“ tue – während der Studienzeit habe ich mich immer auch als „Student“ gesehen, später als „Betriebswirt“, als „Journalist“ … mir ist es auch recht schnurz, ob die „…innen“ schön brav erwähnt werden. Ich bin einfach. Und tue, was mich interessiert. Punkt.

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  2. Frauentag « Was zum Geier ist Erfolg? Says:

    […] Blogger, der das gut auf den Punkt bringt: https://ralfschuler.wordpress.com/2010/03/09/alles-gute-zum-frauentag/ Liebe Feministinnen, schreibt Euch das mal hinter die […]

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  3. regido Says:

    die welt besteht aus zwei geschlechtern,die geschichte der frauen zeigt einen anderen blickwinkel auf die welt,als die der maenner,das ist doch logisch…..frau ist kein topos….die gleichberechtigung interessiert mich nicht,ich als frau will,dass mein blickpunkt in dieser welt etwas gilt,maenner haben die welt jahrhunderte lang auf ihr geschlecht reduziert …..der topos mann wird immer weniger zum erfolg fuehren ,die welt ist zwei

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    • ralfschuler Says:

      Warum willst Du/wollen Sie nicht einfach Deinen/Ihren Standpunkt in der Welt deutlich machen? Der Bereich, in dem das Geschlecht eine eigenständige Rolle spielt ist doch eher begrenzt. Wenn der „Topos Mann“ keinen Erfolg mehr hat, dann werden Menschen mit diesem Problem dazulernen müssen. Und sie werden es tun. Es werden die Margaret Thatchers andere Methoden anwenden und die George Bushs auch. Ich glaube übrigens auch nicht, dass die Welt jahrhundertelang auf Geschlechter reduziert war. Es war bis vor gut einhundert Jahren einfach die praktischer, evolutionsbiologisch erfolgreichere Strategie, ihn jagen zu lassen und sie mit der Aufzucht zu betrauen. Hätte die umgekehrte Arbeitsteilung besser funktioniert, wären die klassischen Geschlechterrollen vor Jahrtausenden schon ausgestorben.

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  4. regido Says:

    es ist auch keine schuldfrage,wenn die frauen das bisher so mitgemacht haben ist das wohl auch weil sie ihren vorteil davon hatten….
    aber wenn die leistungen wie hausarbeit und kinder grossziehen (immer noch meistens weiblich) in keinem bruttosozialprodukt der welt auftauchen,hat das wohl seine gruende….und ich weiss was meine mutter geschuftet hat….und das heisst die rechnung geht nicht auf.
    Frauen haben eine andere geschichtliche erfahrung als maenner,wenn thatcher und viele andere das ignorieren ,sind sie meine politischen feindinnen.
    Das sie heute dort sitzen wo sie sitzen verdanken sie naemlich nicht nur sich selbst, sondern generationen von frauen die darum gekaempft haben,dies zu „duerfen“.Da gaebe es noch soviel zu sagen 🙂

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    • ralfschuler Says:

      Die Idee, die Bedeutsamkeit einer Tätigkeit oder auch seines Daseins am Auftauchen im Bruttosozialprodukt festzumachen, finde ich allerdings schon etwas schräg. Der Begriff „Weltwirtschaft“ würde in diesem Zusammenhang eine ganz neue Bedeutung bekommen: die komplette Durchökonomisierung des Lebens. Wir wären die erste Gattung, die Fortpflanzung und Brutpflege als Teil des Geschäftslebens betrachtet. Ich weiß auch gar nicht, warum gerade Frauenrechtlerinnen ständig daran arbeiten, Hausarbeit und Kindererziehung als minderwertige Tätigkeiten hinzustellen. Am schönsten finde ich immer den Verweis: Ich habe doch nicht studiert, um hier am Herd zu stehen und Essen für die Kinder zu kochen. Im Klartext: Ich bin doch viel zu wertvoll für die Erziehung meiner Kinder. Dass die Männer sich da drücken, macht die Sache ja nicht besser. Zumindest begründet es nicht, dass man als Frau „Ich will auch“ rufen muss, nur weil die Männer sich zu wenig um ihre Kinder kümmern.
      Im Übrigen amüsiert es mich immer ein wenig, wie selbstverständlich Frauen „Hausarbeit“ definieren und dabei den ganzen groben Dreckskram natürlich nicht meinen, den die Männer trotz aller Gleichberechtigung wie selbstverständlich behalten haben. Es hat sich leider niemand darum gerissen, uns das Wechseln der Winterräder, das Anbohren von Lampen, Aufbauen von Schränken oder Kellerregalen abzunehmen. Und wenn am Fahrrad mal wieder was quietscht, schaut Frau sich noch immer als erstes um, ob das wohl wer reparieren kann.

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  5. Robert Says:

    Bemerkenswert ist es trotzdem.

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  6. regido Says:

    das bruttosozialprodukt is nur ein beispiel und ich denke du hast das verstanden,aber wir sprechen hier ueber macht z.b kriege zu fuehren oder dies nicht zu tuen,z,b zu sagen ihr koennt mit meiner arbeit nicht nach belieben verfahren,da habe ich ein wort mitzusprechen………der wert der arbeit meiner mutter haengt sicher nichtdavon ab ob sie im bruttosozialprodukt vorkommt….sondern zuerst von der werterkennung ihrer kinder,meiner …als tochter,aber ihre macht /ohnmacht auch davon
    🙂

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