Einmal Logik und zurück

Die Deutschen haben eine bemerkenswerte Art, sich die Welt zurecht zu zimmern. Am besten gelingt das, wenn man die Dinge einfach andersherum denkt. Von dem Punkt her, zu dem man hin will. Beim Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr funktioniert das – ausweislich zahlreicher Talkshows – schon recht routiniert. Weil man nicht zu denen gehören will, die mit Gewehren auf Menschen schießen, erklärt man einfach, die anderen schössen, weil man selbst ein Gewehr hat. Nun haben die Deutschen schon mehrfach in der Geschichte aktiv bewiesen, dass der Aggressor bestimmt ob Krieg ist oder nicht, aber das ficht die Verkehrer der Realität nicht an.

Die Taliban sind nicht nach Afghanistan gekommen, weil die internationalen Truppen da waren, sondern die Truppen sind dorthin gekommen, weil die Taliban ein blutiges Regime errichtet hatten, dass weltweit operierendem Terror Unterschlupf gewährte. Ohne diesen Terror-Export hätte die restliche Welt vermutlich auch weiter mit beiden Augen weggesehen, denn bei Lichte betrachtet, trägt der Westen mitnichten seine Humanität offensiv vor sich her. Solange unser Handel und Wandel nicht gestört wird, interessiert es uns weder im Jemen noch in Somalia oder in Nordkorea, ob Hunderttausende verhungern oder nach Belieben gesteinigt wird.

Wer es mit der Moral ernst meint, müsste eigentlich die Frage stellen, warum die Mehrheit der Deutschen nichts dagegen hat, wenn „unsere Jungs“ ihr Leben beim Kampf gegen Piraten aufs Spiel setzen, wo es schließlich nur um Handelswege geht, während das Bewahren braver Afghanen vor fanatisierten Islamisten für anstößig gehalten wird.

Und man müsste vielleicht auch einen Augenblick darüber nachdenken, was man der Mutter eines 1944 in der Normandie gefallenen GIs über den Sinn seines Einsatzes sagen würde. Was scherte es den Farmer-Sohn aus Wisconsin schon, wenn sich die Europäer den Schädel einschlugen? Wenn ein durchgeknallter Diktator KZs einrichtete und Juden vergaste – warum musste Joe Jedermann dafür sterben? Wenn man ehrlich darüber nachdenkt, wird man zu dem Schluss kommen, dass die von Deutschen niedergestreckten Amerikaner, Briten, Russen, Franzosen und sonstige Widerständler dafür gestorben sind, dass die Hitlers in der Welt nicht das letzte Wort haben.

Die Bin Landens sollten es auch nicht haben.

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