Mixa II

Alle sind erleichtert. Endlich hat der Augsburger  Bischof Walter Mixa seinen Rückzug angekündigt. Und wenn man den bundesweiten Schlagzeilen glauben darf, haben eigentlich alle darauf gewartet, weil der umstrittene Kirchenmann eine Belastung für Deutschlands Katholiken geworden sei. Hm. Ein wenig verwunderlich ist dass schon, wie sehr die Deutschen mitfiebern, wenn es um Rücktritte von Kirchenleuten geht. Es ist ja nicht so, dass da draußen Heerscharen von braven Christen und eifrigen Kirchgängern unterwegs wären, die sich Sorgen machen würden um das Ansehen ihrer Religion. Vorzugsweise Leute, die mit Kirche gar nichts am Sonntagshut haben, sind nun die eifrigsten Kommentierer und fühlen sich nach dem Mixa-Abgang befreit.

Als evangelischem Christen könnte einem das egal sein, aber es ist schon einigermaßen verwunderlich, dass die katholische Kirche in ihrer tiefsten Krise steckt wegen massiven Fällen von Kindesmissbrauchs. Und die Öffentlichkeit klatscht Beifall, weil ein Bischof geht, der vor vierzig Jahren Schüler gewatscht und womöglich Geld veruntreut hat. Keine schöne Sache, und intern werden über Mixa noch ganz andere Dinge gemunkelt, die seinen „Fall“ (im doppelten Wortsinne) plausibel machen. Nur ist Kindesmissbrauch eigentlich der größere Skandal, und böswillige Beobachter könnten meinen, dass Mixas Abgang dem Rest der Deutschen Bischofskonferenz einschließlich ihres leicht schlingernden Vorsitzenden erholsamen Schatten spendet.

Zumindest, was Intrigen, Bauernopfer und taktische Ranküne angeht, scheint die katholische Kirche durchaus auf der Höhe der Zeit zu sein.

Advertisements

Schlagwörter: , , , ,

3 Antworten to “Mixa II”

  1. DerErfolgsblogger Says:

    Wie soll man das ausdrücken – Veruntreuung ist schlimm, das Schlagen von Kindern ist schlimm, beides steht aber in keinem Vergleich zu den Fällen von Kindesmissbrauch.

    Das Mixa gerade darüber stolpert, hat in der Tat einen Beigeschmack. Falls er ein Bauernopfer war, wird das der katholischen Kirche nur nichts helfen. Die Stimmung ist derzeit so, dass alles, was auch nur annähernd Richtung Verfehlungen von Priestern geht, derart hochgespielt wird, dass es schon hysterisch anmutet.

    Die Kirche kann sich meiner Ansicht nach nur retten, wenn sie sich grundlegend erneuert und vor allem ehrlicher und menschlicher wird.

    Gefällt mir

  2. Heinz Says:

    Von einem evangelischen Pfarrer wurde mir berichtet, dass 50% der Kirchenaustritte in seiner Diozöse mit der Passivität des Papstes in der aktuellen Kindesmissbrauchsdebatte begründet werden. Absurd, aber wahr! Demzufolge kann es einem auch als evangelischem Christen nicht egal sein, wie die katholische Kirche mit dieser Materie umgeht.

    Gefällt mir

    • ralfschuler Says:

      Der Verweis auf meine Religionszugehörigkeit war einerseits rhetorisch und andererseit als dezenter Hinweis gedacht, dass ich nicht unterwegs bin, um „das eigene Haus“ sauber zu halten… Natürlich kann eigentlich niemandem egal sein, wie der Vatikan mit dem Thema umgeht, denn es kann auch niemanden das Schicksal der Opfer gleichgültig lassen.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: