Nachtrag Olbertz

Oft höre ich im Zusammenhang mit dem Fall des designierten Präsidenten der Humboldt-Universität (siehe Beitrag unten): „Ja, wenn wir so anfangen….“ Soll wohl heißen: Solches Pflichtgeschwurbel haben wir doch alle irgendwo abgeliefert. Stimmt, macht es aber nicht besser. Außerdem stimmt es auch wieder nicht, weil manche eben weniger dick auftrugen.

Grundsätzlich ist dieser, auch oft von Alt-Bundesbürgern geäußerte verständnisvolle Ansatz aber Basis-Demokratie am falschen Fleck. Motto: Es muss nur genug Leute geben, die vergessen wollen, dann ist es in Ordnung. Gut, dass diese Logik in der Nachkriegszeit niemandem durchgehen gelassen wurde. Dinge werden nicht besser, wenn alle sie tun. Im Grunde geht es im Fall Olbertz gerade darum, sich bewusst zu machen, wie diese Mechanismen funktionieren, damit sie so nicht wieder funktionieren. Deshalb sollten wir genau „so anfangen“, denn es kann ja nicht sein, dass Unfug und Menschenverbiegerei deshalb mit wohlwollendem Vergessen überzogen und in den Skat der Geschichte gedrückt werden, weil sie ein Massenphänomen waren.

Mag Olbertz den HU-Job bekommen oder nicht, die schmerzliche Erinnerung an solche Dinge ist das, worum es geht. Wenn wir nicht „so anfangen“, fängt womöglich demnächst irgendwo wieder jemand genau so an. Interessant ist freilich, dass es offenbar auch etliche Zeitgenossen gibt, für die die grobe Beschränkung von DDR-Aufarbeitung auf Karteikarten und Stasi-Mitarbeit eine durchaus bequeme Lösung ist.

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