Fieses Frauen-Fernsehen

Früher habe ich öfter darüber nachgedacht, ob es womöglich besser wäre, ein Mädchen zu sein. Eine Folge der ehedem beliebten Kindersendung „Die Rappelkiste“, in der eine realistische Geburt gezeigt wurde, hat mich dann aber doch nachhaltig mit meinem Geburtsgeschlecht versöhnt – so sehr, dass ich zu dem Schluss kam, man könne den Wehrdienst eher in Kauf nehmen als eine Niederkunft. Der Grundwehrdienst bei der Nationalen Volksarmee hat mich dann allerdings zu einer grundlegenden Korrektur dieses Standpunktes bewogen.

 Nun sind neue Indizien aufgetaucht, die ebenfalls die Vorzüge des Weiblichen hervorheben. So berichtet der Berliner „Tagesspiegel“ auf seiner Medienseite zum Beispiel darüber, dass deutsche TV-Serien zu wenig Vorbilder von Frauen in technischen Berufen zeigten, weshalb die Mädels in diesen Fachrichtungen noch immer unterrepräsentiert seien. Das hat die Berliner Medienwissenschaftlerin Marion Esch herausgefunden, als sie 2500 Frauen befragte. Die gaben an, in Serien eine „interessante Quelle“ für Informationen zur Berufsbildung zu finden.

 Deshalb wäre ich dann doch lieber eine Frau: Es gibt immer und für alles einen Schuldigen, wenn ich mit mir und meinem Leben nicht zufrieden bin. Das muss doch klasse sein, man rennt scharenweise zu „Sex and the city“ und kann sich hinterher darüber beklagen, dass im „Landarzt“ keine Klempnerin vorkommt. Ist doch klar, dass in so einer fiesen Gesellschaft Frauen keine Chance haben! Gut, Girlsdays hin oder her, Gender-gerechte Sprache, Frauenfußball im Abendprogramm, Straßenschilder ohne Zopf und Rock und Frauenquote im Vorstand der Telekom, alles schön und gut – aber die TV-Serien machen alles wieder kaputt.

 Zwar wird heute keinem Mädchen mehr die Carrera-Autorennbahn verwehrt und keinem Jungen die Puppe entrissen, aber trotzdem: Wenn Deutschlands Schulabgängerinnen sich nach dem Abschluss zur Berufsberatung vor den Fernseher setzen, werden sie zu Kosmetikerinnen oder Verkäuferinnen missgeleitet. Schlimm, schlimm. Und wahrscheinlich gibt es auch gute Gründe dafür, dass sie die ganzen „Männer-Krimis“ nicht sehen, in denen Aby („Navy CIS“), Alberich (Tatort Münster und all die anderen schmucken Kriminaltechnikerinnen von „CSI Miami“ bis „Criminal Intent“ rumhuschen.

Bei Frauen hat immer jemand anders schuld, das ist einfach prima. Nun hat sich der Wehrdienst offensichtlich demnächst als Argument erledigt, und Geburten bleiben trotzdem schmerzhaft, so dass das Mannsein doch wieder einige Vorzüge zurückgewinnt. Und dann ist da noch ein Grund, warum ich wohl doch keine Frau sein möchte: Ich würde mich dagegen verwahren, ständig als Blättchen im fiesen gesellschaftlichen Wind und formbares Objekt der Umstände hingestellt zu werden, dass selbst von Fernsehserien aus der Lebensbahn geworfen wird. Dafür hätte ich einfach zuviel Selbstachtung. Und ich glaube, die meisten Frauen heute auch.

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11 Antworten to “Fieses Frauen-Fernsehen”

  1. Anti-Weibchen Says:

    Vielleicht hätten die tollen „Forscherinnen“ lieber mal den IQ ihrer Versuchskaninchen mit den bevorzugten Fernsehserien vergleichen sollen. Womöglich haben (weibliche) Fans der deutschen Soaps gar nicht die geistigen Möglichkeiten eine eigene Meinung und eigene Vorstellungen zur persönlichen Lebensplanung zu entwickeln, und womöglich dürfen Mann und Frau darüber froh sein, dass die befragten „Weibchen“ nicht für die Verdrahtung der frisch bezogenen Wohnung oder für die große Inspektion beim Auto zuständig waren, sondern einem höchstens die Haare versauen oder die Lebensmittel falsch abrechnen…

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  2. dentix07 Says:

    Danke!
    Treffer! Versenkt!

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  3. Christian - Alles Evolution Says:

    Schön geschrieben! Diese Fremdbestimmtheit der Frauen in Teilen des Feminismus ist ein viel negativeres Frauenbild als das, dass sie vielen Männern unterstellen.

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  4. michaeleriksson Says:

    Es ist traurig, dass diese pseudo-wissenschaftliche Ideen, Gender-Wahnsinn, usw., sich zunehmend auch in Deutschland breit machen. Mit dem abschreckenden Beispiel von Schweden im Hinterkopf, würde ich jedem raten laut zu protestieren bevor es zu spät ist.

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  5. Orlando Says:

    Klasse geschrieben! Ich vermisse nicht nur in dämlichen TV-Serien Frauen in typischen „Männerberufen“ wie Müllabfuhr oder Kanalreinigung. Klar, die Damen wollen mit sauberen Händen dorthin, wohin es auch 98% der Männer nicht schaffen: in die Vorstände.

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  6. Igor Says:

    Meine Freundin liiiieeeebt Navy CIS. Und ich bin verdammt dankbar dafür.

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    • ralfschuler Says:

      Wer sich binden will, sollte ohnehin den Serien-Test machen. Das ist wichtiger für eine dauerhafte Beziehung als all der Kram mit den inneren Werten und so. Ich muss immer Tierfilme sehen, statt Gibbs, Aby und di Noso bei der Arbeit zu verfolgen. Wenn ich mal einen Beziehungsratgeber schreibe, muss das unbedingt mit rein…

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  7. Igor Says:

    @ ralf: *schulterzuck* auch Naturfilme können anregend sein.

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  8. Igor Says:

    @ralf: Bevor ich mich entscheide musst du schon n Foto von deiner Freundin posten xD

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  9. Auch ein Blog zieht mal Bilanz « Ralfschuler's Blog Says:

    […] Fieses Frauen-Fernsehen September 2010 10 comments and 1 Like on WordPress.com, […]

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