Mein Name ist Bond, Eurobond

Nichts ist gefährlicher als die gute Absicht. Und weil Eurobonds zur Rettung der europäischen Idee und des Euro gut gemeint sind, werden sie früher oder später kommen. Zum einen, weil es für den – zumindest kurzfristigen – Zusammenhalt der Gemeinschaftswährung vermutlich bald schon keine Alternative mehr gibt. Und zum anderen, weil die gute Absicht noch jeden Kritiker früher oder später als mutlosen Zweifler oder übelmeinenden Quertreiber niederkartätscht hat. Wenn eine Sache wie Europa und der Euro gut ist, erteilt sich leider auch in freien Gesellschaften die Politik das Mandat zum Übergehen nachdenklicher Einwände, weil der schlichte Geist nun mal nicht davon lassen kann, direkt auf seine Ziele zuzumarschieren. Die gemeinschaftliche Schuldenhaftung in Form von Eurobonds hat zudem den tückischen Nebeneffekt, dass das edle Prinzip der Solidarität darin durchschimmert und den irrigen Eindruck erweckt, Euro-Sünder seien hilfsbedürftige Schwache und nicht leichtfertige Verschwender. Und Schwachen muss doch geholfen werden.

Dabei verkennen die Verfechter der Eurobonds, dass schon die Einführung des Euro den gleichen „Solidareffekt“ für die Südflanke der Währungsgemeinschaft hatte: Niedrige Zinsen, die nicht zum Investieren, sondern zum Konsumieren genutzt wurden. Das soll nun mit den Bonds alles besser werden, weil man aus dem Schaden ja klug geworden sei, heißt es. Straffe Regeln sollen künftig erreichen, was die harte Keule der Finanzmärkte bislang nicht geschafft hat: schmerzhaftes Haushalten. Dass auf Regeln im Bereich von Staatsfinanzen zu vertrauen riskanter ist, als Zocken in Las Vegas, müssten dabei eigentlich die handelnden Politiker selbst am besten wissen. Wenn sie ehrlich wären. Denn das bei der nächsten Populismus-Attacke ein Wahlkämpfer irgendeines Euro-Landes sich standhaft neuer Schulden verweigern wird, glaubt nur, wer Tischlein-deck-dich für die Berliner Tafel hält.

Eurobonds sind der Versuch, mit Hilfe eines raffinierten Finanzprodukts die Bemessungsgrundlage des Euro zu schönen und den skeptischen Finanzmärkten vorzugaukeln, der Bond-Eintopf sei trotz einzelner Bitterlinge alles in allem ein schmackhaftes und nahrhaftes Gericht. Dabei ist die Summe der Einzelländer in der Haushaltsdisziplin nur rechnerisch besser: Selbst Musterknabe Deutschland wird die selbst verhängte Schuldenbremse nicht halten können, wenn die Konjunktur sich niederträchtig abschwingen sollte. Von sozialen Härten bis gesetzlich verpflichtenden Leistungen werden sich genügend Gründe finden, den Schluss mit Schulden noch einmal oder zweimal oder dreimals hinauszuschieben. Solange es kein erfolgreiches Geschäftsmodell für die südlichen Euro-Länder gibt, mit dem Lebensstandard-Anspruch und volkswirtschaftlicher Ertrag in Deckung zu bringen sind, so lange wird die Skepsis der Märkte bestehen, und sie wird berechtigt sein. Mit oder ohne Eurobonds.

Zu befürchten ist eher, dass die Europa-Visionäre beim drohenden Scheitern des Euro auch mit den Bonds die wirtschafts- und finanzpolitische Zwangsunion mit ersten bundesstaatlichen Elementen als Notmaßnahme einführen. In Bedrängnis greifen gute Absichtler zu immer gefährlicheren Mitteln, um das Scheitern der guten Sache abzuwenden. Der Zusammenbruch ist am Ende meist schlimmer, als hätte man früher auf die Warnungen gehört. Aber für Euro-Zweifel gibt es derzeit keine Mehrheit. Offiziell jedenfalls nicht. Schließlich hat man schon gewusst, warum etwa die Deutschen bei der Einführung des Euro nicht gefragt wurden. Bei der Weiterführung des Euro sollen sie nun auch gefälligst die Klappe halten. Für die gute Sache, versteht sich.

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4 Antworten to “Mein Name ist Bond, Eurobond”

  1. frauschmockheim Says:

    Ich hörte irgendeinen von den Linken(ob Ernst oder Lötzsch ist doch egal)sagen, „wir Deutschen “ müßten den „Eurobond“ einführen oder zustimmen.
    Ohne eine tiefergehende Ahnung zu haben, ist das für mich sofort ein Grund dagegen zu sein!

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  2. Blog - start-trading.de Says:

    Eurobonds und EZB Käufe…

    Die Eurobonds sollen nun die nächste mögliche Rettungsmaßnahme darstellen. Noch ist es nicht soweit, doch hinter den Kulissen wird hart darüber verhandelt. Mit der Einführung von Eurobonds soll ein starkes Signal Richtung Märkte ausgesendet werden, dam…

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  3. Medley Says:

    Der Eurobond ist das was er ist, die Berliner Mauer der Ost…. äh, der Eurozone, ein antispekulanisches Bollwerk gegen den Währungsfeind. Schließlich geht es um Höhers, um den „Europaismus“, sprich, um die paradiesische, völkerlose Gesellschaft, die mittels des wissenschaftlichen „€uroismus“ hergestellt werden soll. Und wenn es um so edle Ziele geht, da sollte man nun wirklich nicht so kleinlich sein und so bourgeois um seine Spargrosch….äh, …cent rumheulen. Also wirklich.

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  4. Zarathustra Says:

    Wie war das doch gleich nochmal? „Das Gegenteil von Gut ist nicht Böse, sondern gut gemeint.“ Wir Recht er doch hatte!

    Selbstverständlich ist das alles alternativlos – denn stirbt der Euro, stirbt die EU. Solch hahnebüchener Unsinn wird den Bürgern verkauft – aber sie sollen ja auch ned ihre Meinung sagen, sondern nur zahlen. Wäre ja alles OK wenn man total demokratisch sagen könnte „selbst schuld – selbst gewählt“ – genau das is ja de facto auch alternativlos, weil es ja keine Alternative zu den etablierten Ja-Sager-Parteien gibt. Den eigentlichen Skandal finde ich, daß hier Geld verzockt wird, was unter günstigsten Bedingungen unsere Kinder und Kindeskinder evtl. mal erwirtschaften (sollen – alternativlos) könnten.

    Jaja, man will das Vertrauen der „Märkte“ wiedergewinnen, auf denen sich doch sowieso nur geldgierige Zocker rumtreiben.

    Erhellend vielleicht ein kleiner Blick zurück: Welche Banken waren die eigentlichen Pleitebanken in Europa während der Finanzkrise? Könnte es sein, daß das vor allem Banken mit Beteiligung der Staaten/Länder waren?

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