Teil 3: Eine Lichtgestalt für die Dunkelheit

KALVEHAVE Kilometer 357: In Dänemark ist es nicht dunkler als diesseits der Ostsee. Und doch liegen die häufigen Nebel in der Vorweihnachtszeit auf seltsame Weise dichter über dem Land. Vielleicht hat die seltsame Stimmung aber auch damit zu tun, dass sich dänische Orte oft weit auseinanderziehen. Einzelne Gehöfte liegen irgendwo verstreut und tauchen unvermittelt aus der Dunkelheit auf. „Es könnte doch sein“, meint Thomas, der vor einigen Jahren als Puppenspieler nach Dänemark gezogen ist, „dass es eine Art natürliche Logik darin gibt, die Herkunft des Weihnachtsmannes genau in die Ecke der Welt zu legen, in der eine aufmunternde, wärmende Lichtgestalt am nötigsten ist.“

 Nun gut, dafür wäre auch der Südpol in Betracht gekommen, aber der liegt ja nun wirklich am anderen Ende der Welt. Und dann die Spesen für die Anreise…

Bevor er sich hauptberuflich den Puppen zuwandte, ist Thomas einige Jahre auf norwegischen Forschungsschiffen zur See gefahren und kennt sich mit Dunkelheit bestens aus. „Am undurchdringlichsten, urgewaltigsten aber auch beängstigendsten fand ich Nächte draußen auf dem Meer. Da ist es nur noch schwarz – vor allem auch unter dir. Ein zerbrechliches Vehikel hat man sich da unter die Füße geschoben, um nicht in die Tiefe zu fallen. Im finsteren Wald kannst du dich immer noch einfach hinlegen; das Meer verschluckt dich einfach.“ Wenn man also inmitten dieser feindlichen Schwärze einen winzigen Punkt Hoffnung einpflanzen könnte, dann wäre das ein durchaus verständlicher, menschlicher Reflex. Schließlich haben die Menschen seit eh und je versucht, die bedrohlichen Dinge der Umwelt irgendwie zu beleben und mit Göttern und ähnlichem zu begründen. Nicht dass das immer geholfen hätte, aber es schafft ein System, ein Gegenüber, das man benennen und mit dem man sich arrangieren, das man vielleicht milde stimmen kann.

Pech für Santa Claus also, dass gute Onkels als Wünsche-Erfüller sozusagen zwangsverbeamtet und im Rahmen der Mythenbildung vom warmen Mittelmeer an den eisigen Nordpol versetzt werden. Das Verblüffende an der Geschichte des Weihnachtsmannes ist freilich, dass sie nicht in finsteren Vorzeiten in Bauernstuben am Spinnrad entstand, sondern dass an ihr durchaus aufgeklärte Menschen erst in den letzten 150 Jahren gestrickt haben. Ein Indiz dafür, dass wir vermeintlich so rationalen Jetzt-Menschen bis heute gern aus der Gegenwart fliehen.

 (morgen geht’s weiter)

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2 Antworten to “Teil 3: Eine Lichtgestalt für die Dunkelheit”

  1. Dorian Says:

    Der Facebook Like Button wuerde sich gut auf der Seite machen, oder ist er mir entgangen?

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    • ralfschuler Says:

      Sorry, da habe ich keine Ahnung,wie das funktioniert und ob es sowas gibt. Muss man den selbst anlegen, wenn ja, wie? Oder bringt ihn das Programm mit? Und was passiert eigentlich, wenn man da drauf klickt? Ehrlich gesagt, kämpfe ich oft genug mit den Funktionen von WordPress, die ich kaum verstehe…
      Aber wenn ich den Kommentar als Zuspruch verstehen darf, freut es mich natürlich.

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