Teil 8: Auf der Suche nach dem Mützenmann

FONNASFJELL  Die schnurgerade Straße durch das Hochland lässt auch den Gedanken freien Lauf. Es hat etwas von amerikanischer Freiheit im hohen Norden, wie der Asphalt so gleichmäßig unter die Räder kommt. Kaum Verkehr, keine Scheinwerfer im Rücken – erstaunlich eigentlich, dass dieser Highway überhaupt irgendwo ankommt.

Mag sein, dass die alljährlichen Werbekampagnen von Coca-Cola zur Verbreitung des Bildes vom standardisierten Weihnachtsmann beigetragen haben (auch darüber streiten sich noch Laien und Experten), Fakt ist allerdings, dass der freundliche ältere Herr mit Bart, Mütze und Pelzmantel schon auf Postkarten des 19. Jahrhunderts anzutreffen ist. Noch verwirrender wird die Geschichte des Gesuchten, wenn wir davon ausgehen, dass der „liebe, gute Weihnachtsmann“ seinerseits bereits zwei Gestalten in sich vereint: die des guten Nikolaus, den wir in unseren Breiten um der vollen Stiefel willen einfach behalten haben und die seines bösen, strafenden Knechts Ruprecht.

Von ihm hat er sich vermutlich die Rute ausgeliehen und den Job im Zuge notwendiger Stelleneinsparungen gleich mit übernommen. Viel- leicht also wird das Reisigwerkzeug wegen der Doppelbelastung heute kaum noch zweckentsprechend verwendet… In weniger stark von Ra- tionalisierung betroffenen Regionen wie etwa Holland (de Swarte Piet) oder Österreich (Krampus) ist die Stelle des Finstermannes allerdings bis heute mit zusätzlichem Fachpersonal besetzt.

Einiges spricht dafür, dass im Zuge der Reformation nicht nur die Rolle der zahllosen katholischen Heiligen kritisiert und gestutzt wurde, sondern damit auch der Brauch um den Heiligen Nikolaus an jedem 6. Dezember in Verruf geriet. Und weil fürderhin gute Christen nur noch die großen Tage des Herrn selbst feiern sollten, nahm man sich wohl vielerorts den netten Geschenkemann mit zum 24./25. Dezember: Klar doch, weg mit all dem papistischen Mummenschanz! Wir feiern nur noch Geburt, Tod und Auferstehung unseres Herrn Jesu. Aber wer wollte an so einem heiligen Festtag dem Weihnachtsmann die Teilnahme verwehren…

Raffiniert eingefädelt, dieser Coup. Sollten sich nicht so haben, die puristischen Herren Reformatoren.

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