Teil 13: Eisige Landschaften

MO I RANA  Je weiter es nördlich geht, desto stärker schwanken die Temperaturen. In See- und Fjordnähe liegen sie knapp über Null, kommt man höher oder ins Hinterland, sacken sie im Minutentakt in den Keller. Der Temperaturfühler im Tacho ist das einzige Indiz dafür, ob die Nässe auf der Fahrbahn schon Eis ist oder noch Wasser. Eine wirklich verlässliche Hilfe ist er nicht, denn selbst bei deutlichen Plus-Temperaturen meldet sich mitunter das Anti-Blockiersystem mit leisem Knarren zu Wort. Was bleibt, ist langsames und vorsichtiges Fahren.

Gesetzte Etappenziele werden so Makulatur. Nicht meine Planung ist entscheidend, sondern das, was das Wetter und die Straße hergeben. Die Natur teilt mir meine Strecke zu: Mein Wille verwehe in den eisigen Weiten. Überhaupt ist das Gesetz der Straße hier ein anderes als daheim. Das alte Spiel „Wer bremst, hat verloren“ hat hier in ganz anderem Sinne seine Richtigkeit: Wer so schnell fährt, dass er am falschen Ort bremsen muss, hat verloren. Und zwar ziemlich endgültig.

Der richtige Wintereinbruch kommt spät in diesem Jahr. Im Hinterland hat es seit Anfang November geschneit, aber so richtig heftig ist es bislang nicht gekommen. Sonst wäre diese ganze Tour nicht zu schaffen gewesen. Mit einem feierlichen Torbogen wird man in „Nordnorwegen“ begrüßt. Was das genau heißt, erfahre ich im Wortsinne einige Kilometer hinter Mo i Rana. Dort geht es steile Strecken auf die Lonsdalen-Hochebene hinauf. Die Straße sei „frei“, heißt es unten auf einer Anzeigetafel. Allein schon der Hinweis macht stutzig.

Plätze zum Kettenanlegen zeigen, woher der Wind weht. Schon der Aufstieg ist tief verschneit. Die Fahrbahn ist eine geschlossene Eisdecke und ohne Allrad-Antrieb kaum zu bewältigen. Sozusagen mit Ansage beginnt die Eiszeit. Eine berauschende Pracht in Weiß bietet sich oben. Weite, Eis, verfrierende Gesichtszüge und die falsche Kleidung aus dem Flachland – wenigstens der Polarkreis hält in Zeiten des Klimawandels, was er verspricht.

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3 Antworten to “Teil 13: Eisige Landschaften”

  1. EJ Says:

    Sag ich ja: Spätestens jetzt hätten Sie einen Fahrer/Beifahrer gebraucht. Bei dem Stress, Sie merken’s selbst, verlieren Sie das Forschungs-Ziel Ihrer Expedition ganz aus dem Auge. Von Santa Claus keine Rede mehr! Dabei deuten das schneeige und eisige Ambiente darauf, dass Sie sich Ihrem Ziel gerade jetzt ziemlich rapide nähern. Hinter jeder Schneewehe könnte sein Gespann auftauchen! Oder schon aufgetaucht sein! – Wenn Sie zurück kommen und, sehr wahrscheinlich, IHN nicht gesehen haben, lag’s daran, dass Sie ganz profan dauernd auf die Straßenverhältnisse achten mussten? Menno! Sehr bedauerlich!

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  2. ws Says:

    einen schönen eindruck davon gibt’s zb. hier:
    http://www.webkamerasinnorwegen.com/webcams.php?viewcam=2051

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