Teil 17: Mein Auto und ich – wir beiden Quatschtanten

SETERMOEN |         Weil kaum      jemand unterwegs ist, kann man meist aufblenden. Die Motorhaube frisst die eisige Piste unermüdlich in sich hinein, während drinnen das Cockpit mit seinen Anzeigen und Schaltern leuchtet wie ein Linienjet. Es ist nicht romantisch. Nur einsam. Spätestens an diesem Teil der Reise beginnt man, mit sich selbst zu sprechen. „Holla, da könnten wir womöglich bis um sechs in Narvik sein.“

 Keine Antwort. Und wer ist eigentlich wir? Das Auto und ich, wir beiden Quatschtanten. Die ständige Dunkelheit verhindert größere Ablenkung durch die grandiose Landschaft, zwingt, die Konzentration auf die Straße zu richten, und selbst wenn es hell ist, darf man keinen falschen Blick zur falschen Zeit riskieren. Nur nicht ins Träumen geraten.

 Obwohl das Auto vergleichsweise mitteilsam ist: Wenn ich durch den Bordcomputer zappe, erzählt es mir ausführlich, wie es ihm geht. Tempe- raturen, Momentanverbräuche, Durchschnittsgeschwindigkeit – vom Navi, der alten Plaudertasche, ganz zu schweigen. Dessen Ansage habe ich abgeschaltet. Wenn ich ständig Befehle mit gereiztem „Bitte“ garniert haben wollte, hätte ich auch zu Hause bleiben können. Es ist ein rasender Autisten-Job, eine sitzende Tätigkeit mit Ortswechsel, bei der man vermutlich irgendwann das Hirn auf „Standby“ schaltet.

 Vor der Reise hatte ich an Kowalsky gedacht –K-O-W-A-L-S-K-Y. Kowalsky, der damals im Kino einen 70er Dodge Challenger in fünfzehn Stunden von Denver nach San Francisco bringen wollte. „Grenzpunkt Null“ hieß der Streifen im Osten, „Fluchtpunkt San Francisco“ im Westen, und Barry Newman scherte sich darin einen Teufel um Bullen und Geschwindigkeitskontrollen.

 Letzteres kann man in Skandinavien nicht wirklich empfehlen, es sei denn, man wollte sich am Ende der Tour wieKowalsky ebenfalls mit großer Geste in die Luft jagen. Jedenfalls ist das hauptamtliche Sitzen im Auto nicht halb so aufregend, wie es im Film erscheint. Nicht einmal die Peitsche schwingen und „Ho, ho, ho“ rufen kann man.

 Immerhin habe ich gelernt, dass man ganztägiges Fahren trainieren kann. Nach einigen Tagen hat das Steuern zwischen Seiten- und Mittellinie nichts Ermüdendes mehr. Am Abend gibt es nichts zuverpassen. Unterkunft suchen, schreiben, norwegisches Fernsehen.

Vielleicht hängt auch das mit der anderen Geschwindigkeit zusammen, die hier gefahren wird. Man brettert haltnicht öde über eine Autobahn, sondern arbeitet sich an einer Landschaft mit Bergen, Kurven, Eis und Rentieren ab. Zweifellos die interessantere Art zu reisen.

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3 Antworten to “Teil 17: Mein Auto und ich – wir beiden Quatschtanten”

  1. Dozan Meda Says:

    Irgendwie total lahm ganz ohne Fotos…

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  2. EJ Says:

    Könnte sein, Herr Schuler-Kowalsky, dass Sie in die falsche Richtung unterwegs sind. Jedenfalls läuft gerade der Newsletter der Deutsche Bank Research ein, datiert allerdings auf den 5. Dezember, der behauptet, dass Nikolaus und Knecht Ruprecht in Deutschland seien. Evtl. behauptet DB Research sogar, dass Deutschland Nikolaus und Knecht Ruprecht sei: Deutschland: Nikolaus und Knecht Ruprecht

    Tja, schlechte Nachrichten für Sie. Oder gehören Sie auch zu denen, die meinen, dass Banker schließlich schon allen möglichen Mist geglaubt hätten und sie deswegen eher nicht ernst zu nehmen seien?

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  3. maldrueberreden Says:

    „Das Auto und ich“ Wirklich eindrucksvolle Gedankengänge 🙂

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