Teil 18: Heulende Huskies

INNSET Kilometer 2656: Die Schlinge meiner Indizienkette zieht sich noch enger zusammen. Auch dem Schlitten bin ich auf die Spur gekommen. Auf Björn Klauers Huskyfarm hängen sie hübsch ordentlich aufgereiht gleich zu mehreren an der Wand. „Nein“, lacht er, natürlich habe er noch nicht darauf geachtet, ob am Heiligen Abend vielleicht einer fehlt. Auch hat er keine Abmachung mit einem gewissen Ruprecht oder Claus.

1984/85 war Björn Klauer einfach mal weg. 3500 Kilometer ist er von Oslo zum Nordkap gelaufen, richtig zu Fuß, allein mit einem Zelt und zum Schluss mit einem Husky, der ihm half den Schlitten zu ziehen – vom Nordkap in östlicher Richtung nach Kirkenes an der Russischen (damals Sowjet-) Grenze. Damals hat er sich in diese Landschaft verliebt. „Für mich war klar, dass ich nicht wieder nach Deutschland zurück wollte“, sagt er. Nördlich von Narvik, nicht weit vom Nordkap entfernt, kaufte er sich einen alten Hof, ließ sich nieder und bietet heute Touren mit dem Hundeschlitten an (www.huskyfarm.de).

Knapp 70 Hunde warten hinter dem Blockhaus und werden schon unruhig, wenn sie nur die Schlitten sehen. Huskies wollen laufen. Die Tour mit dem Schlitten ist ihre Jagd, das Futter hinterher die Beute. „Und was ist mit Rentieren?“, hake ich knallhart nach. Nein, zum Chef-Logistiker des Weihnachtsmanns will sich Björn Klauer partout nicht machen lassen. Der solle mal schön bei seinen Traditionen bleiben, so wie der Auswanderer und Wahl-Norweger Weihnachten ausnahmsweise mit Baum und Geschenken feiert wie in Deutschland. Märchenmänner müssen verlässlich sein, meint der Mann, der seinen Lebenstraum hier oben verwirklicht hat. Wenn es um sein Kerngeschäft geht, will Klauer aber dann doch auf ein Mobilitätsproblem beim Schlitten-Vertrieb der Geschenke hinweisen.

Ohne rechthaberisch klingen zu wollen: „Bei dem Pensum, das der gute Weihnachtsmann in der einen Nacht zu erledigen hat, müsste er eigentlich Huskies anspannen“, sagt Klauer. Die Hunde ziehen als Fleischfresser mehr und länger als die niedlichen Rentiere. „Hunde haben einfach bessere Eiweiß-Reserven. Alle großen und erfolgreichen Expeditionen haben Huskies benutzt“, sagt der Experte.

Aber in dieser Hinsicht ist der alte Weißbart wohl ziemlich beratungsresistent. Und ob es auch rotnasige Huskies gibt, ist auch noch nicht sicher. Jedenfalls müsste da einiges umgeschrieben werden, wenn die tapferen Zugtiere künftig Lassie, Cox und Pascha hießen…

Advertisements

Schlagwörter: , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: