Archive for März 2012

Können Frauen es nicht ohne Quote?

März 25, 2012

Dass die Quote kommen muss, ist ja klar. Ohne Frauenquote geht gar nichts. Außerdem brauchen wir ein Gleichbezahlungsgesetz. Am „Equal-Pay-Day“ haben das jüngst gleich mehrere Vorkämpfer gefordert. Von ganz links bis grün. Und in der Union meldet sich nun auch noch Marco Wanderwitz zu Wort, der Chef der „Jungen Gruppe“ im Bundestag, und meint: Junge, moderne Männer sollten sich beim Quoten-Kampf an die Seite der Frauen stellen.

Das Seltsame an all diesen Vorstößen: Die Frauen selbst sind an den vermeintlich unhaltbaren Zuständen niemals selbst schuld und sie können sich offenbar auch nicht selbst helfen. Neue Gesetze müssen her. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist eine Selbstverständlichkeit und ist längst in verschiedenster Form festgeschrieben: Im Antidiskriminierungsgesetz ebenso, wie in Tarifverträgen. Was spricht also dagegen, dass die betroffenen Frauen zu ihren Chefs und Chefinnen gehen und ihr Recht einfach einfordern, statt noch ein Gesetz oben drauf zu satteln?

Warum zeigen Untersuchungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft, dass Frauen in Führungspositionen genauso agieren wie Männer? Die Antwort ist denkbar einfach: Das Geschlecht von Mitarbeitern ist kein Unternehmensziel.

Der Kampf um die Quote (interessanterweise nur in Spitzenjobs) ist auch deshalb etwas schräg, weil die Frauen, die es schon jetzt dorthin geschafft haben, überdurchschnittlich oft für Personal zuständig sind. Das lässt sich leicht erklären. Im Industrieland Deutschland studieren Mädchen noch immer zu hohen Prozentsätzen philologische, künstlerische und soziale Fächer. In Vorständen und Chefetagen tragen Karrierefrauen deshalb meist Verantwortung für Personal/Recht oder Unternehmenskommunikation, weil für die naturwissenschaftlich-technisch basierten Spitzenjobs zu wenige Bewerberinnen vorhanden sind.

Warum also prägen die Personalchefinnen nicht also ihre direktes Einflussgebiet mit „geschlechtergerechten“ Quoten? Könnte es sein, dass genau die Mentalität, mit der nach immer neuen Gesetzen für die Gleichberechtigung gerufen wird, schuld daran ist, dass viele Frauen nicht da ankommen, wo sie sich selbst gern sehen würden? Solange immer wer anderes helfen soll, solange gläserne Decken, Netzwerke und Kita-Plätze als Vorwand herhalten müssen, klingt die Quoten-Debatte so, als würden es Frauen allein nicht schaffen.

Genau das ist der dialektische Bärendienst, den Quoten-Kämpferinnen ihren Geschlechtsgenossinnen erweisen: Frauen können, wollen und sollen Karriere machen. Wenn es nicht klappt, ist aber nicht nur die Gesellschaft schuld. Quod (ten) erat demonstrandum – wie der Lateiner sagen würde.

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Islamische Kritik an der Islamkritik

März 7, 2012

Es gibt im politischen und sonstigen Leben immer wieder Situationen, in denen die Wahrheit einfach kontraproduktiv ist. „Nicht hilfreich“, wie es die Kanzlerin zu formulieren pflegt. Das ist schade für die Wahrheit, aber nun mal nicht zu ändern.

Jüngstes Beispiel: Die Debatte um die Studie zu muslimischen Einwanderern, die Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) unlängst vorstellte. Mehr als 20 Prozent der muslimischen Migranten verweigerten sich mehr oder weniger aggressiv und offen der Integration in die westliche Gesellschaft oder blickten gar verächtlich auf diese herab.

Daraufhin meldeten sich zahlreiche Vertreter mit muslimischem Migrationshintergrund zu Wort und führten Beschwerde. Was ihr gutes Recht ist. Verblüffend allerdings war, dass nahezu alle Beiträge empört waren, dass Friedrich diese Studie veröffentlich, dass die anderen 80 Prozent gut integrierter Islam-Einwanderer nicht gewürdigt würden, dass Muslime unter Generalverdacht gestellt würden und die Deutschen offener sein müssten. Von der Moderatorin Hadnet Tesfai bis zur Jung-Autorin Melda Akbas – ein ähnlicher Tenor.

Nun mögen all die Einwände richtig oder falsch sein, die eigentliche Antwort hätte aber lauten müssen: ,Diese 20 Prozent Integrationsverweigerer sind kein Problem“ oder „die Zahlen stimmen nicht“ oder „es wird in Zukunft weniger werden“… Tatsächlich aber hat – aus eigener Erfahrung? – niemand die Tatsachen der Studie in Zweifel gezogen oder widerlegt. Selbst Peter Holtz, einer der Autoren, der sich auf Spiegel-Online in einem Gastbeitrag beschwerte, führte lediglich Beispiele von sehr sympathischen Muslimen an, die sich nun vor den Kopf gestoßen fühlten.

Das ist traurig aber kein sonderlich taugliches Argument. Wie wäre es, wenn die sich von unliebsamen Befunden dieser Art betroffen fühlenden Mitmenschen sich beim nächsten Mal nicht mit Vorwürfen an die Öffentlichkeit wendeten, dass diese Tatsachen ausgesprochen wurden, sondern wenn sie statt dessen Vorschläge zur Abhilfe machten. Oder Erklärungen lieferten, die nicht darauf hinauslaufen, dass die Einwanderungsgesellschaft irgendwelche Voraussetzungen schaffen oder ausbauen müsse, damit die Einwanderer dieses Land schön finden und annehmen. Gern genommen werden auch Beiträge, wie sich Vereine und Gemeinden darum bemühen könnten, ihren Mitgliedern die Aversionen vor dem Westen zu nehmen.

Das wäre doch immerhin ein Anfang.