Lustig ist das Piratenleben – faria, faria ho

Schon irgendwie putzig, diese Piraten. Wieder mal eine Partei, der man beim Erwachsenwerden zuschauen darf. Nun, da die Grünen aus dem Gröbsten raus sind…

Die Piraten sind schon eine echte Bereicherung der deutschen Parteienlandschaft. Endlich mal ein neuer Politikstil, neue Offenheit, Freiheit statt Fraktionszwang. Der neue Vorsitzende der Piraten, Bernd Schlömer (41), hat diesen neuen Stil auf dem Parteitag in Neumünster überzeugend demonstriert. Er habe keine Probleme mit Auslandseinsätzen der Bundeswehr, sagte der Regierungsdirektor im Bundesministerium der Verteidigung. Aber „wenn die Piraten dagegen sind, bin ich das auch.“

So geht Geradlinigkeit. Man teile mir meine Meinung mit, sagte der Vorsitzende und betrat das Talkshow-Studio. Für einen, der im Verteidigungsministerium arbeitet, ist es schließlich unerheblich, ob er die Mandate des Parlaments nach Feierabend bekämpft und im Dienst umsetzt. Es muss endlich auch mal Schluss sein mit dieser krampfhaften Kosequenz, die die uncoolen Alt-Parteien da häufig an den Tag legen. Dieses „Uijuijui, da muss ich aber um meiner Überzeugung willen zurücktreten und mir einen neuen Job suchen…“ Pustekuchen. Bei Bedarf kann man sich die aktuelle Meinung auch direkt als FlüssigFeedback aufs iPad mailen lassen, damit man auf dem neuesten Stand ist. Viele Old-School-Politiker sind gerade bei der eigenen Meinung häufig gar nicht auf dem Laufenden.

Überhaupt sind die Piraten gerade für die wachsende Schar der Nichtwähler ein überzeugendes Angebot. Das raffinierte Rezept: Nichtpolitik für Nichtwähler. Einfach genial. Bernd Schlömer zum Beispiel meint, er frage sich, ob eine Partei wirklich zu allen Themen eine programmatische Antwort haben müsse und könne sich gut vorstellen, auch ohne eine Haltung zum Nahost-Konflikt zur Bundestagswahl anzutreten.

Nun zählt ja der Nahost-Konflikt gewissermaßen zu den Bagatellen der Weltpolitik, mit denen man sich als Netzaktivist nicht auch noch rumschlagen kann. Und weil die anderen das Middle-East-Game bislang auch nicht geknackt haben, hält man die eigene Programmatik besser schlank, spart sich lästige Online-Votings (Israel: ja, nein, weiß nicht) und kann hinterher allemal zu der eigenen Politik stehen. Hammer Methode das.

Und wenn die Piraten in Zukunft auch Wahlen so bravourös gewinnen, wie bislang die Umfragen, könnte sich das Prinzip Schmalspur als durchaus zukunftsträchtig erweisen. Welcher Wähler will schon noch wissen, wie eine Partei zum Nahost-Konflikt steht, solange das Internet frei ist. In jedem Falle wird Bernd Schlömer auch dazu die aktuelle Meinung unverzüglich zugestellt.

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Eine Antwort to “Lustig ist das Piratenleben – faria, faria ho”

  1. Sven Says:

    Moin,
    ja es ist interessant zu beobachten, wie sich der Piraten-Hyp entwickelt. In dem Zusammenhang finde ich die Neudefinition von Bruno Jonas originell: Meinungsfreiheit bedeutet frei jeder eigenen Meinung zu sein.
    Na denn ….

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