GeTwitter-Warnung

„Es genügt nicht, keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken.“ Ein Klassiker von Karl Kraus, der bis heute nicht an Gültigkeit verloren hat. Allenfalls eine kleine Aktualisierung ist nötig: „…man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken und dies dann allen mitteilen!“

Nun ist „Zwitschern“ (Twittern) zwar nett anzuhören, aber in der Vogelwelt auch nicht als Methode hochverdichteter Informationsübertragung gedacht. Im Gegenteil: konsequenter Sinn-Entzug macht Twittern erst zum wirklichen Vergnügen. Leider hat vor der Fußball-EM niemand eine GeTwitter-Warnung herausgegeben. Deshalb an dieser Stelle mal etwas Flüssig-Nahrung zurück (Liquid Feedback) an die bekloppte Netz-Gemeinde: Haltet vor der Fußball-Glotze einfach mal die Finger still!

Der alltägliche Twitter-Text-Durchfall im Hasenköttel-Format reicht völlig. Niemand braucht jetzt auch noch sinnlose „Tooooooooor!“-Tweets in der Timeline. Spart Euch dämliche Zwischenstände Eures Bierkonsums, Fußball-Binsen und peinliche Icons. Wenn das Hirn auf Standby ist, muss man nicht versuchen, via Smartphone den Rest der Welt zu synchronisieren. Niemand braucht wirre Jubel-Tweets, lustige Lautmalereien oder ahnungslose Prognosen. Wir anderen sehen auch Fußball! Oder nicht! In beiden Fällen verzichten wir gern auf Euren Twitter-Tinitus!

Und weil wir gerade mal dabei sind, liebe Netz-Gemeinde: Für Zwiegespräche kann man SMS oder Mails schicken und muss seine banal-Dialoge nicht an die Twitter-Litfassäule pinnen. Es sei denn, man hält sich für Albert Einstein und will die Welt daran teilhaben lassen. Twitter-Ökologie heißt: Hirn-Müll vermeiden bevor er entsteht! Einfach mal jeden zweiten Tweet weglassen. Löschen statt Sperren gilt übrigens auch für Politiker, die es für modern und zeitgemäß halten, per Twitter eine Art digitalen Arbeitszeitnachweis zu erstellen. „Fahre jetzt zum Feuerwehrfest nach Herne“ oder „Letzte Vorbereitungen für Haushaltsdebatte“ bitte dem Referenten erzählen, nicht dem Twitter-Server.

Oder rettet uns am Ende nur noch die Schutzgemeinschaft Hirn (Schuhi) vor der mentalen Abraumhalde, die manche da ins Netz schaufeln?!

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10 Antworten to “GeTwitter-Warnung”

  1. EinfastOpa Says:

    Da hab ich eine Idee, die ich sehr erfolgreich praktiziere, lieber Herr Schuler:
    Totales Ignorieren twitterähnlicher Medien. Man verpasst nichts. Das eigene Leben weiterzuführen, ist auch ohne all diese www2.10001 – „Medien“ problemlos möglich. Wirklich!

    Viele Grüße, einer über 50 😉

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    • ralfschuler Says:

      Guter Tipp! Leider muss ich aus beruflichen Gründen auch Twitter im Blick behalten. Man stelle sich vor, all der Müll würde in Zeitungen gedruckt…

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      • Hackentrick Says:

        […] „all der Müll würde in Zeitungen gedruckt“ […]

        Ist das nicht der Fall? 😉

        Ich meine das zumindest im übertragenen Sinne: Wenn man sich gerade jetzt während der EM wieder mal anschaut, über welche Banalitäten ARD und ZDF berichten und mit welchen Nebensächlichkeiten Print- und Online-Medien die Spalten füllen, ist der Vergleich mit dem Twitter-Müll gar nicht so weit hergeholt!

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      • ralfschuler Says:

        Stimmt leider!

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  2. gotsassaufeinemast Says:

    Irgendwann, während eines Anfalls geistiger Umnachtung, dachte ich, es wäre eine gute Idee sich einen Twitter account zuzulegen. Und jetzt habe ich ihn und weiß nichts damit anzufangen. Denn mehr als Logorrhoe kann man damit eigentlich nicht produzieren..und ja, ich gebe dir Recht. Die Fußball Tweets nerven ganz fürchterlich.

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  3. Bärli Says:

    Nicht nur das…
    Man wird, während des Fernsehens, ständig auf irgendwelche Seiten hingewiesen. Das nervt!

    In letzter Zeit ist es in unzähligen TV-Sendungen schon zu einer Epidemie gekommen, in denen nicht die Einträge verschiedener User vorgelesen wird. Auch das nervt!

    Meine Meinung: Entweder man sieht fern, oder surft im Internet!

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  4. Andreas Says:

    Also ich habe Twitter zum Beispiel nach dem Abpfiff des Finales der Fußball-EM gerne gelesen und mich köstlich amüsiert. Tweetes wie „Süß, die Spanier bekommen zum Sieg alle ein Kind geschenkt“ bringen mich tatsächlich zum Schmunzeln. Ein echter Ersatz für die „heute show“.

    Ich würde deshalb den Rat geben: Es liegt nicht an Twitter, es liegt an den Leuten, denen man dort folgt 😉

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  5. Eichholtz Says:

    Einfach mal die Followerliste saeubern. Man kann natuerlich auch nen langen wie bekloppten Artikel ueber Twitter schreiben… Tstststssss

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