Partner, Partner überall

Darf man den Wildecker Herzbuben („Herzilein“) zur eingetragenen Partnerschaft gratulieren? Die Antwort lautet: Nein. Denn sie haben sich nicht eintragen lassen. Aber wenn es nach aktuellen Trends geht, sind sie heiße Anwärter auf einen festen Beziehungsstatus. Der Einwand, Wolfgang Schwalm und Wilfried Gliem seien gar nicht schwul, trägt da wohl nicht mehr lange. Denn längst ist man auch in der Union dabei, den Ehe-Begriff zeitgemäß zu überarbeiten. Demzufolge ist Partnerschaft, wo zwei Menschen dauerhaft füreinander Verantwortung übernehmen. Und das kann man wohl mit Fug und Recht von den beiden Pfundskerlen behaupten, die seit mehr als 20 Jahren miteinander arbeiten und eine wirtschaftlich weiß Gott erfolgreiche Gewinngemeinschaft sind.

Gut, verheiratet sind die Buben nebenher auch, womit wir beim ersten kleinen Problem der schönen neuen Partnerschaftswelt wären: Wenn dauerhafte Verantwortungsübernahme schon eine hinreichende Definition für eine eheähnliche Beziehung ist, dann betrügen die zwei ihre Frauen mit ihrem volkstümlichen Wanderzirkus.

Aber im Ernst: In dem irrigen Wahn, irgendwie modern und großstädtisch sein zu wollen, kommt gerade den Konservativen in diesen Tagen ganz offensichtlich der Wertekompass völlig abhanden. Bei dem verspratzten Versuch, sich eine Partnerschaftsdefinition zuzulegen, in die auch die Homo-Ehe irgendwie hineinpasst, kippen die einstigen Wertebewahrer ihre bisherigen Leitbilder mir nichts dir nichts über die Reling. Wenn die Verantwortung füreinander zum letzten Indiz für eine Partnerschaft wird, redet man einer Gesellschaft das Wort, in der alles geht und alles irgendwie gleich ist. Das kann man wollen, wie es in eher konkurrierenden Lagern bisher schon gewollt war. Allerdings versuchten bislang vor allem die Linken die Gesellschaft umzubauen, währen die Konservativen sich Mühe gaben, sie daran zu hindern. Heute geben die vermeintlichen Modernisierer das Wort an.

Denn tatsächlich lebt Gesellschaft von mehr als von bunten Beziehungen. Mal abgesehen  davon, dass sich die Frage auftut, ob die Teilnehmerzahl bei dieser Art von Verantwortungsgemeinschaft auf zwei begrenzt bleiben muss (was wäre mit einer Ordensgemeinschaft?), ob es verwandtschaftlich nicht verbundene Menschen sein müssen oder auch Geschwister in Betracht kommen und auf welcher Annahme die geforderte „Dauerhaftigkeit“ fußt, – eine Gesellschaftspolitik, die Kinder und Familie ins Zentrum ihrer Wertschätzung stellt, ist auf dieser Alles-geht-Basis nicht denkbar.

Freilich hatte die Union auch beim Familienbegriff vor einiger Zeit schon eine eher spielerische Variante gewählt: „Familie ist, wo Kinder sind“. Hier wird bereits das generationenübergreifende, Traditionen von Großeltern zu Enkeln fortschreibende stillschweigend gestrichen. Wer so leichtfertig das natürliche Beziehungsgeflecht einer Gesellschaft zu Gunsten einer künstlich konstruierten Modernität aufgibt, muss sich hinterher allerdings nicht wundern, wenn es kein familienfreundliches Klima gibt, wenn niemand mehr die Auswirkungen politischer oder wirtschaftlicher Entscheidungen auf die Lebenswelt von Familien im Blick hat, wenn Familie immer schwieriger lebbar ist, die Geburtenzahlen sinken und der gesellschaftliche Reparaturbetrieb zum Beheben von Familienversagen nicht mehr nachkommt.

Es gehört zu Kuriositäten unserer Zeit, dass das Bewahren von Umwelt zu den höchsten Gütern der Gesellschaft gehört, während das Bewahren einer lebenswerten, mitmenschlichen Gesellschaft von gedankenlosen Modetrends geprägt wird. Weite Teile der Eliten treten tatsächlich dafür ein, die Erwärmung des Weltklimas präzise auf zwei Grad Celsius begrenzen zu wollen – der Turmbau zu Babel war verglichen mit dieser Selbstüberhebung ein von Selbstzweifeln angekränkelter Demutsakt. Und im gleichen Atemzug gelten Familie und Kinderbetreuung als reaktionär, muffig, Erwerbsarbeit als modern, Genmanipulation, künstliche Zuchtwahl am Menschen und selbstbestimmter Tod liegen im Trend, weichen die vormalige Unantastbarkeit menschlichen Lebens auf.

All dies sind Richtungsentscheidungen, die der Mensch so treffen kann, wenn er will und wenn einen Konsens darüber in der Gesellschaft gibt. Erstaunlich ist freilich, was Leute treibt da mitzutun, die sich ehedem einer politischen Richtung angeschlossen haben, die genau hier mit Vorsicht und Zurückhaltung zu Werke gehen wollte. Wo ist der Kampfesmut der Konservativen geblieben, tieferes Verständnis von gesellschaftlichem Zusammenhalt mehrheitsfähig zu machen?! Oder ist womöglich die aktuelle Debatte um schwarz-grüne Bündnisse nur die Vorstufe zur Frage, ob auch Schwarz-Orange mit den Piraten möglich wäre? Braucht es künftig noch wen, der über den Rand des eigenen Laptops hinausschaut? Den Rest kann man ja googlen…

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9 Antworten to “Partner, Partner überall”

  1. René Says:

    Schwarz-grün, schwarz-orange oder sonstige Schattierungen – das spielt doch gar keine Rolle mehr. Nächstes Ziel sind die nächsten Wahlen, der Machterhalt für die nächsten vier Jahre. Da gibt es unter den „Etablierten“ doch kaum noch einen Unterschied. Die wahren Konservativen haben sich (oder wurden) aus diesem Karussell längst verabschiedet und leben hoffentlich in und mit ihren Familien.*
    Da wirkt das „Fernziel“ einer Temperaturjustage im Jahr 2050 tatsächlich schizophren bzw. wird dadurch die Perversion des (im Kern seiner Bedeutung treffenden) Begriffes der Nachhaltigkeit vor Augen geführt, wenn das Nachhaltigste des menschlichen Wesens – sein natürliches Zusammenleben in Familien zum Zwecke der Erhaltung seiner Art – mit z. B. jeder beliebigen BGB-Gesellschaft für die Errichtung und den Betrieb eines Hauses (ist doch auch Verantwortung auf Dauer nach Maßstab eines Menschenlebens) gleichgesetzt wird.

    * Es soll auch welche geben, die Bücher schreiben oder ihr Fähnlein im Netz hochhalten;-). Leider gehen diese Stimmen in den (Sint)-Fluten des Mittelstroms unter.

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  2. Sven Mueller Says:

    Nicht zu vergessen, dass es auf dieser Basis keinen Grund mehr gibt, monogame Beziehungen polygamen in gesetzlicher Hinsicht vorzuziehen. Wenn die vier Ehefrauen das arabischen Familienpaschas sich nicht explizit dagegen wehren und alle sich irgendwie umeinander kuemmern…

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  3. peeka Says:

    Da ich kein Konservativer bin, hat für mich diese Diskussion natürlich nur einen Unterhaltungswert. Georg Diez hat ja schon in einer SPON-Kolumne geschrieben, dass keiner mehr Angst vor Mitt Romney habe, das schlimmste, was er tun würde, wäre die Steuern zu senken.
    Und so verhält es sich eben auch mit den deutschen selbst ernannten Konservativen, die sich von einer Frau(!) aus dem Osten (!!) die Partei wegnehmen lassen. Wer soll denn einen Mann ernst nehmen, der „aus Versehen“ konservativ wurde, weil seine Mama Willy Brandt gut fand und der noch nicht einmal gedient hat?
    Und dieser Herr ist doch exemplarisch für die heutigen Fortysomethings, die in den 1980ern die „Wendejugend“ (Kohls „geistig-moralische Wende“) bildete, die zwar in der Jungen Union waren, denen es aber nicht im Leben eingefallen wäre, für ihre Überzeugungen zu kämpfen, wenn dabei Popperlocke oder Lacoste-Hemd hätten leiden können.
    Wenn Konservative keine Lust mehr haben, verschwinden sie ins Privatleben (von Beust – wenn man ihn überhaupt als konservativ bezeichnen kann, aber eben auch ein typisches Kind der 1980er) oder gehen lieber in die Wirtschaft (Koch und Merz) und verdeutlichen der Öffentlichkeit, dass ihnen ihr eigener Vorteil näher liegt als die politische Überzeugung. Exemplarisch dafür steht Ex-Bundespräsident Wulff, der alle Vorteile mitgenommen hat und weiterhin mitnimmt, die ihm angeboten werden.
    Dass man sich dann einbildet, mit einer neuen, konservativen Partei vielleicht 10% zu holen (der längst vom Namen her vergessene Vorsitzende der „Freiheit“ in Berlin) liegt wohl daran, dass diese Leute bestenfalls noch irgendwo im Internet Kommentare schreiben oder selbst dafür zu faul sind und nur noch den „gefällt mir“-Button klicken.

    Es tut mir gar nicht leid, das sagen zu müssen, aber Sie alle taugen nicht mehr als Feindbild, weil es eben so schwer fällt, Sie überhaupt ernst zu nehmen (und an der Stelle bin ich doch konservativ und verweigere mich ob des besseren Verständnisses der Rechtschreibreform und schreibe die persönliche Anrede weiterhin groß).

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    • ralfschuler Says:

      Da ist schon einiges Wahre dran. Auch wenn Ole von Beust in die Reihe der Konservativen zu stellen, eine gewisse Ahnungslosigkeit vermuten lässt. Wenn Ihre größte Sorge, das Wegfallen von Feindbildern ist, dann ist bei Ihnen ja die Welt offensichtlich noch in Ordnung.

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      • peeka Says:

        Deshalb schrieb ich ja in Klammern: „von Beust – wenn man ihn überhaupt als konservativ bezeichnen kann, aber eben auch ein typisches Kind der 1980er“
        Ansonsten habe ich wirklich keine Sorge um die politische Situation in Deutschland, und die Welt ist in Ordnung. Obgleich ich nie die CDU gewählt habe, kann ich mit der Politik durchaus leben. Die Abschaffung der Wehrpflicht hätte ich mir in einer schwarz-gelben Regierung nicht vorstellen können. Dazu war ja rot-grün nicht einmal in der Lage.

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  4. kaputier Says:

    @peeka, wenn es ihnen an feindblidern mangelt, finden sich doch genug namen aus ihren eigenen reihen auf die ihre vorwürfe noch so viel besser zutreffen, z.b. „joschka“ fischer oder rezzo schlauch…

    viel spass beim rotwerden und ein herzliches pace

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    • peeka Says:

      Ich hoffe, Sie erkennen die Satire in meinem Beitrag.
      Aber Sie haben schon recht:
      Die Ex-Schröders von rot-grün (besser noch: Gundula Röstel) haben es geschafft, dass ich mich auch schon längst von ihnen inhaltlich verabschiedet habe.

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  5. Erin Says:

    Manchmal muss man die Dinge auf den Kopf stellen, um sie zu verstehen. Die Parteinahme für homosexuelle Partnerschaften ist kein Akt der Beliebigkeit oder Kapitulation vor der Moderne – sie ist die Fortführung einer seltsamen Entwicklung, die Deutschland seit den 50er Jahren prägt.

    Man mag hier keine Kinder – weshalb auch immer. Die Busse und S-Bahnen sind so still wie Büchereien, die Vermieter schrieben schon in den 60er Jahren selbst Eheleuten vor, dass sie keine Kinder bekommen dürfen, sonst müssen sie ausziehen; man kann ganze Stadtteile absuchen, ohne eine in etwa gleichaltrige Fußballmannschaft zusammen zu finden.

    Homosexuelle Partnerschaften oder rein wirtschaftliche sind nicht etwa genau so gut, nein, sie sind besser als heterosexuelle Ehen – eben weil sie keine Kinder produzieren. Sie schreiben selbst so glaubhaft, dass man es immer weniger würdigt, wenn Mütter und Väter für ihre Kinder da sind. Darin kann ich allerdings keine Panne erkennen sondern nur die konsequente Fortführung einer heimlichen Agenda, die einfach nur gruselig ist. Schwule und Lesben sind hierzulande deshalb so beliebt, weil sie ein Ideal leben: Liebe, Sex, Wohlstand, Partnerschaft ohne den Störenfried Kind, ohne erweiterte Familie etc.
    Die Einsicht, dass Kinder gebraucht werden, – also der Motor für die familienfördernden Maßnahmen – ist rein rational. Meiner Beobachtung nach steckt dahinter keine emotionale Überzeugung .

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    • Orlando Says:

      Genauso ist es! Aufgewachsen mit 3 Geschwistern in den 50er und 60er Jahren habe ich das erlebt, was mein Vater als die „Kinderfeindlichkeit der Deutschen“ bezeichnet hat, und die Sie hier ebenfalls konstatieren. Ich bin selbst schwul und lebe in einer Beziehung, aber ich empfinde diese „Schwulenehe“ als Parodie einer Familienbeziehung. Und zur Adoption, die die Schwulen anstreben, kann ich nur sagen: die armen Kinder, die nichts sind, als Objekte zickiger „Selbstverwirklichungen“.

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