Heiliger St. Allensbach

Auch als Protestant muss man Papst Franziskus ja eines lassen: Die Idee, Religion mit basisdemokratischen Elementen zu verbinden, ist schon ein erstaunliches Novum.  „Dein Reich komme, dein Wille geschehe…“ – falls Du eine Mehrheit unter Deinen Schäflein bekommst. Die Ergebnisse der jetzt veröffentlichten Umfrage unter deutschen Katholiken sind im Grunde nicht anders zu interpretieren, als dass großen Teilen der Gläubigen der Glauben abhanden gekommen ist. „Die Lehre der Kirche wird dort, wo sie bekannt ist (sic!), meist nur selektiv angenommen“, ist ein Fazit der Umfrage. Ein anderes betont den Respekt, den man sich von seiner Kirche vor der individuellen Lebensgestaltung erwartet.
Wie gesagt, ich bin Protestant und beschränke mich deshalb auf nüchtere Logik: Wenn man sich mit Taufe und Abendmahl zum „Schöpfer des Himmels und der Erde“ bekennt, ist es schon schwierig, SEINE Regeln lediglich dann zu akzeptieren, wenn sie im Alltag nicht stören. Umfragen sind in einer Religionsgemeinschaft schlichtweg absurd. Kein Muslim käme auf die Idee, demnächst darüber abstimmen zu lassen, ob die Hadsch künftig statt ins staubige Mekka vielleicht nicht lieber nach Paris gehen sollte.
Es ist zwar offensichtlich, dass auch immer mehr Christen das Verständnis dafür abhanden kommt, dass Gott eine höhere, also nicht gleichberechtigte, irdische Instanz ist, sondern über allem steht. Wenn man sich also zu ihm bekennt, gelten SEINE Regeln, nicht unsere. Andernfalls ist das Bekenntnis sinnlos. Wenn Gott aber Gott ist, sind Umfragen darüber, was wir von ihm und seinem Gebot halten, abwegig, weil sie Kirche einem vereinsmäßig demokratischen Verständnis unterstellen, dass beim Verbund von Anglern oder Turniertänzern sinnvoll ist, in einer Konfession nicht.
Man darf jedenfalls gespannt sein, wohin der Heilige St. Allensbach und die gütige Santa Forsa die katholische Kirche demnächst führen werden…

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4 Antworten to “Heiliger St. Allensbach”

  1. Clara Schmid Says:

    OK, Herr Schuler, wird Ihnen komisch vorkommen, aber auch ich bin Kirche. Was sagen Sie dazu? Und zwar nicht nur Mitglied, sondern Glied – Glied der Kirche. Staunen Sie? Was?

    Und als Glied der Kirche wird mir die Kirchenlehre nicht irgendwie zugeteilt, ich selbst bin Teil davon, und wenn nur durch meine letzte, äußerste Gewissensentscheidung. Deshalb gibt es – das ist ein anderer Aspekt derselben Sache – nach offizieller Kirchenlehre (und im Unterschied zum muslimischen Denken wahrscheinlich) nicht nur die Offenbarung in der Schrift, sondern auch eine Offenbarung in der Zeit. Und die ermöglicht es der Kirche, sich mit der Zeit zu verändern. Was sagen Sie dazu? Gar nicht dumm. Oder?

    Aber wie ich Sie einschätze, hätten Sie es lieber etwas weniger intelligent, dafür etwas fundamentaler, wenn nicht fundamentalistischer, ein für alle Male feststehend und mehr so von oben herab, mit ewigen Wahrheiten und so. Stimmts? Damit Sie sich besser auskennen. Und, vor allem, Ihre Mitmenschen nicht so viel Ärger machen. Ein (Religionen übergreifend) verbreiteter Wunsch, Herr Schuler.

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    • ralfschuler Says:

      Schön, dass Sie so sachlich antworten, nicht etwa mit herablassenden Unterstellungen über meine Person oder mögliche Intentionen meinerseits…
      Über den theologischen Sinn der „Offenbarung in der Zeit“ können wir gern reden, es ist aber immer verdächtig, wenn die vermeintlich „intelligentere“ Variante gleichzeitig die für einen selbst bequemere ist. Die Offenbarung in der Zeit ist eine Carte Blanche für das Einsteuern des Zeitgeists. Den suche ich zumindest gerade nicht im Glauben, davon gibt es ringsum nun wirklich genug. In meinen Augen ist die Anerkenntnis eines Schöpfers wenig wert, wenn seine Regeln mich nicht in Frage stellen. Denn um nach meinen Regeln zu leben, brauche ich ihn ja nicht.

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  2. Thojoza Says:

    Das ist es doch gerade: Gott stellt den Menschen, seine Regeln, sein Tun und Denken in Frage! Sonst hätte das Alte und ebenso das Neue Testament allen Sinn verloren. Er stellt aber nicht nur den Menschen in Frage, sondern will die Veränderung des Menschen. Wie dies geschehen soll wird in beiden Testamenten unterschiedlich beantwortet. Aber das ist ein anderes Thema. Frau Schmidt redet der Selbstgerechtigkeit des Menschen das Wort. In der Konsequenz hieße das: Der Mensch braucht Gott nicht. Er muss sich auch nicht in Frage stellen lassen, geschweige denn „umzukehren“. Somit gibt es auch keine Instanz mehr, die den Menschen immer wieder neu auf den Weg bringt, ihm Orientierung gibt, kritisch sein Verhalten hinterfragt… Geschweige denn dem Individuum ins Gewissen redet, wegholt von Selbstsucht, Hochmut, Ungerechtigkeit, Hass, Gewalt und ihn entlastet, von Schuld freispricht, damit es einen neuen, guten Anfang finden kann. – Nein, ein solches Denken hat schon genug Leid der Menschheit gebracht!

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  3. Johannes Laaß Says:

    Die Debatte führt vielleicht etwas am Thema vorbei – ich denke, das päpstliche Demokratisierungsbestreben bezieht sich höchstens auf kirchlich-organisatorische Fragen, welche nicht unmittelbar dem Wort des Herren folgen. Und das die Kirche eine endgültig geregelte Gottesschöpfung sein soll, glauben vermutlich nicht einmal die Katholiken.

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