Stimmen und Stimmungen

Immer wieder kommt in Kommentaren zur AfD die vorwurfsvolle Wendung vor: „dabei gibt es dort nur X Prozent Ausländer…“

Diese Argumentation ist in mehrfacher Hinsicht Unfug! Zum einen wollen die Autoren mit Sicherheit nicht vermitteln, dass Fremdenfeindlichkeit dort gerechtfertigt oder verständlich sei, wo es viele Ausländer gibt. Zum anderen muss man für die Teilnahme an politischen Debatten keine Zugangsberechtigung in Form persönlicher Betroffenheit erwerben. Man darf auch über Für und Wider von Windkraft diskutieren, wenn man keinen Schlagschatten vom Windrad auf dem eigenen Haus hat.

Vor allem aber ist diese Argumentation der Versuch, die Wähler als hirnlose Dummköpfe dastehen zu lassen, die nicht verstehen, wofür sie stimmen. Das allerdings kann für keine Wählerklientel ganz ausgeschlossen werden und somit als Argument entfallen.

Vielleicht haben AfD-Wähler schlichtweg eine andere Vorstellung von der Gesellschaft in der sie leben wollen als der Kommentator. Das ist in der Tat ärgerlich, solange es keine aggressiv-kämpferische Ablehnung des Grundgesetzes ist, aber durchaus zulässig.

Politik fußt im Wesentlichen auf zwei Säulen: einer möglichst realistischen Einschätzung dessen, was ist und einer jeweils eigenen Vorstellung darüber, was sein sollte. Über letzteres lässt sich trefflich streiten. Im Falle der anhaltenden AfD-Erfolge liegt aber auch die Vermutung nahe, dass viele Menschen die reale Politik anders bewerten als die Akteure und Kommentatoren selbst. Nur eine Infragestellung der eigenen Wahrnehmung kommt bei beiden Gruppen in diesen Tagen offenbar nicht in Betracht. Hier sollten Wahlen in einer Demokratie auf die kognitiven Sprünge helfen.

Wer also damit argumentiert, AfD-Wähler, Pegidisten und Ablehner der bunten Gesellschaft müssten mehr Kontakt zu Fremden haben, um ihr Weltbild geradezurücken, verfolgt im Grunde nichts anderes als einen Umerziehungsansatz nach dem Motto: Was muss getan werden, damit die anderen zu meiner, richtigen Meinung kommen.

Das gern auch als Souverän an hohen demokratischen Feiertagen hoch gelobte Volk merkt die Herablassung und ist missgestimmt. Und in Zeiten wie diesen, werden miese Stimmungen eben auch zu Stimmen.

Advertisements

Schlagwörter: , ,

2 Antworten to “Stimmen und Stimmungen”

  1. Hein Says:

    Hat dies auf umermuedlich rebloggt und kommentierte:
    Warum höre solche Sätze nie im Deutschlandfunk.

    Gefällt mir

  2. Hein Says:

    Warum höre ich solche Sätze nie im Deutschlandfunk? Warum werde ich dort mit Plattitüden abgespeist? Warum hilft die dauernde Stigmatisierung der AfD der großen Koalition (CDUCSUSPDGRÜNELINKEFDP) so wenig? Oder wäre das Ergebnis der AfD noch besser ohne die ganzen Diffamierungskampagnen?

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: