Posts Tagged ‘Alice Schwarzer’

Gorch, Gregor und Alice in schwerer See

Januar 27, 2011

Mag sein, dass es bei der Bundesmarine Entbehrungen und Zumutungen gibt. Schlimmer, als Gregor Gysi und Alice Schwarzer über den inneren Zustand deutscher Truppen diskutieren sehen zu müssen, kann das aber nicht sein.

Wer kommt unter dem Einfluss welcher Drogen eigentlich auf die Idee, den Fraktionschef der Linkspartei als Wehrexperten zu Maybrit Illner einzuladen? Nicht den Bundeswehrverband, nicht die kritischen Offiziere des „Darmstädter Signals“ oder einen Wehrdienstverweigerer, der wenigstens noch weiß, was er sagt, sondern Gregor Gysi! Jenen Gregor Gysi, der heute den sofortigen Abzug deutscher Truppen aus Afghanistan fordert, weil „Gewalt keine Konflikte löst“ und sich dabei schlitzohrig auf das schlimme Beispiel der Sowjetunion beruft – 30 Jahre nachdem dieses Statement mutig oder originell gewesen wäre.

Während man sich noch fragt, ob Gregor G. dereinst wohl mit „Schwerter zu Pflugscharen“ auf dem Shell-Parker beim Pfarrer Eppelmanns Blues Messen in der Berliner Friedenskirche war, geißelt derselbe die unmenschlichen Zustände in der Bundeswehr, die menschenverachtenden Rituale und rohen Vorgesetzten. Auch da hätte Gregor G. zu DDR-Zeiten reichlich Betätigung gehabt, wenn er sich in dieser Sache als Anwalt der NVA-Soldaten angenommen hätte, die bis aufs Blut kujoniert wurden und viel zu oft von den Dächern der Kasernenblocks sprangen. (In meinen 18 Monaten waren es im Wilhelm-Florin-Regiment in Rostock allein vier.) Der gute G. gehört freilich zu der Sorte Kämpfern, die den Kampfanzug erst anziehen, wenn der Krieg vorbei ist. Als es die DDR noch gab, um die er in der letzten Volkskammer-Sitzung 1990 so arg trauerte, hat er sich vor allem auf geschmeidiges „Gleiten im Gelände“ (milit. für Robben) und abtarnen konzentriert.

Und Alice Schwarzer kennt inzwischen auch die „Männerbünde“ und ihre Rituale von innerhalb der Kasernen, obwohl sie – wie die meisten Debattenredner und Kommentatoren – auch nie gedient hat. Die Auslandseinsätze verrohen die Soldaten, wissen sie und all die engagierten Einfühler, die „Deckschrubben“ für schlimme Schikane halten. Nur weil die „Gorch Fock“ es versäumt hat, eine externe Reinigungsfirma zu beauftragen. Obwohl also nicht ganz klar ist, was der Afghanistan-Einsatz mit dem sicheren Klettern in den Wanten eines Segelschiffs zu tun hat, werden „unsere Jungs und Mädels“ in Kunduz offensichtlich zu Killermaschinen, die dann vom Mast fallen.

All das erklärt allerdings nicht, warum Armeen ohne aktiven Einsatz wie etwa die NVA oder die Truppen des ehemaligen Ostblocks im normalen Kasernenbetrieb ihre Rekruten schliffen und misshandelten, dass die meisten von ihnen die Bundeswehr heute für einen khakifarbenen Ableger von Studiosus-Reisen halten würden. Trotzdem ist es auch Laien zuzumuten, mit Hilfe einfacher Logik nachzuvollziehen, dass eine Armee überhaupt nur einen Sinn hat, wenn sie in der Lage ist, mit geschlossenen Gruppen gemeinsam Einsätze in Extremsituationen zu absolvieren. Man kann dies grundsätzlich ablehnen oder nicht. Aber wenn die Meldung „Ich kann nicht mehr“ ausreicht, um eine Übung abzubrechen, geht bei Beschuss oder Gegenwehr eines Gefangenen jeder nach Hause.

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Torheit nützt im Alter nichts

November 10, 2010

Alice Schwarzer ist die Helmine Kohl des Feminismus‘. Nun, da ihre Amtszeit längst abgelaufen ist, sorgt sie sich um ihren Platz in den Geschichtsbüchern. Da wird kein zarter Verweis auf frühe Verirrungen geduldet, der das gloriose Lebenswerk schmälern könnte. Der Streit mit der Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) zeigt dies auf beeindruckende Weise. Im Grunde hat sich die gesamte Weiblichkeit nach Schwarzer bei der kämpferischen Spiel-Show-Königin für Karriere und Selbstbewusstsein zu bedanken. Keine Frau, die es ohne Schwarzer und ihre Bewegung zu etwas gebracht hätte. Besser, paternalistischer und herablassender kann man sich nicht gegenseitig diskriminieren. Gleichberechtigung ließ sich lange vor Schwarzer und auch ohne sie denken. Schön, wenn sich junge Frauen nun von ihren vermeintlichen Vormünderinnen emanzipieren.

PS: Schön sind auch die Kommentare zum Streit, wo beispielsweise wieder einmal die Formel auftaucht: Beim Kampf um Posten müssen Frauen noch immer besser sein als Männer. Hallo? Das ist tatsächlich als Vorwurf gemeint. Dass in einer Wettbewerbsgesellschaft einer besser sein muss als der andere – selbst wenn er eine Frau ist – sollte sich eigentlich von selbst verstehen.  Übrigens sollte auch der erfolgreiche Mann besser sein, als der Mann, den er aussticht. Und bei gleicher Qualifikation muss es gleichberechtigterweise auch möglich sein, einen Mann nehmen können zu dürfen. Um es mal ganz vorsichtig auszudrücken. Warum aber ein Chef einen schlechten Mann nehmen sollte, wenn er eine gute Frau kriegen kann, die anschließend auf ihn abstrahlt, ist mir ein Rätsel.

Sauf-Berechtigung

Februar 25, 2010

Wahrscheinlich ist es das ganz spezielle Verständnis von Rollenverhalten einer weiblichen Vorkämpferin. Jedenfalls ist kaum zu erklären, warum Alice Schwarzer offensichtlich meint, auch zu Dingen, von denen sie gar keine Ahnung hat, unverzüglich irgendwelche Femi-Platitüden absondern zu müssen. Der Rücktritt von EKD-Chefin Margot Käßmann sei falsch für sie selbst und falsch für progressive Protestantinnen, schreibt Schwarzer auf Spiegel Online. Einem Mann hätte man die Trunkenheitsfahrt durchgehen lassen.

Erstens: Einem Mann hätte man diese Trunkenheitsfahrt ebenfalls nicht durchgehen lassen, weil der Autoritätsverlust an der Spitze einer moralischen Instanz einfach zu groß gewesen wäre. Da versteht Schwarzer denn doch zu wenig vom Protestantismus.

Zweitens: Der weiblich dominierte EKD-Rat hat Käßmann nicht das Vertrauen ausgesprochen, sondern erklärt, sie (Käßmann) werde eine Entscheidung treffen, über die dann beraten werde. Das ist ein Rücktritts-Schubs erster Klasse. Dem hätte sich auch kein Mann entziehen können.

Drittens: Gleichberechtigung bedeutet, dass Frauen das Recht haben, sich genauso bescheuert, verantwortungslos oder unmoralisch zu benehmen wie Männer. Gleichberechtigung bedeutet nicht, dass sie es müssen oder sollten. Man muss es ihnen deshalb auch nicht empfehlen.