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Immer muss man alles selbst machen! Heute: den Islam reformieren

Januar 31, 2010

Beim Online-Auftritt der Süddeutschen Zeitung steht das Thema unter „Job & Karriere“. Junge Menschen, die noch etwas unentschieden in ihre berufliche Zukunft blicken, sollten demnach überlegen, ob Moscheevorstand nicht eine spannende Alternative zu Mediendesigner oder Versicherungskaufmann wäre. Kauffrauen kommen vermutlich nicht in den Genuss dieses Job-Angebots.

Auch der Leitartikel von Matthias Drobinski legt den Verdacht nahe, es handle sich vor allem um ein Personalproblem der muslimischen Welt dem hier Abhilfe geschaffen werden soll: „Dem Islam fehlen in dramatischer Weise Gläubige und Gelehrte, die in dieser Form fromm und aufgeklärt zugleich sind. Sie fehlen nicht, weil der Islam prinzipiell bildungsfeindlich, reformunfähig und aggressiv ist, wie jene platte Islamkritik annimmt, die sich derzeit ausbreitet und die sich der Stereotypen des 19. Jahrhunderts bedient, wonach Muslime so exotisch wie erotisch wie denkunfähig sind. Es gibt ja muslimische Gelehrte, die beschreiben, wie ein reflexionsbegabter und dialogfähiger Islam aussehen könnte, in der Türkei, in den USA, in Europa. Nur sind sie in der Minderheit, werden beschimpft und bedroht, müssen ihre Heimatländer verlassen, werden Märtyrer ihres Glaubens.“

Und das muss anders werden. Deshalb sollen deutsche Hochschulen nun also Imame ausbilden, um den Aufklärungs- und Reformstau der muslimischen Welt endlich zu beheben. Schon lästig, dass wir hier im Westen uns auch damit noch rumärgern müssen, aber wenn der Muselmann nun mal nicht zu Potte kommt mit seinem Glauben, müssen eben deutsche Fakultäten ran um die Mehrheitsverhältnisse zwischen „wahren“, aufgeklärten und falschen Moslems wieder ins Lot zu bringen. Nun ist nicht bekannt, ob die geistlichen Führer Arabiens, Persiens, im Pazifischen Raum oder in Afrika auf die deutsche Bildungsoffensive warten. Fakt ist, dass die einzurichtenden Lehrstühle, die der Wissenschaftsrat sich vorstellt, nicht nur recht teuer sind, sondern auch die „plurale Vielfalt des Islam“ widerspiegeln sollen. Ein oder zwei Hassprediger wird mal also wohl oder übel ihre Seminare abhalten lassen müssen.

Während die Finanzierung lösbar erscheint, etwa zu gleichen Teilen aus den Etats für Entwicklungshilfe (Niebel) und Antiterrorkampf (de Maiziere), ist das mit den Inhalten so eine Sache. Glaubt im Ernst wer, dass die Verfechter von Burka und Fatwah gegen Karrikaturisten sich durch eine abendländische Imam-Schwemme in die Minderheitsposition drängen lassen? Will man die Freizügigkeit, die christlichen Kirchen bei der Theologen-Ausbildung gewährt wird, kassieren, sobald unwillkommene Doktrinen vom Katheder verkündigt werden? Dann wäre es eine Farce. Und wie weit soll überhaupt die „Aufgeklärtheit“ des hiesigen Islam gehen? Kopftuch ja, Burka nein? Ausstoß vom Glauben Abgefallener (nach Hadith) ja, aber keine Steinigung? Oder wollen wir den guten Muslimen nicht gleich unsere Lebensweise per Hausordnung zur Absegnung vorlegen? Dann könnten wir die erwähnte Kauffrau auch zur Imamin umschulen.

Die deutsche Imam-Akademie ist eine gute Idee, sie ist zumindest gut gemeint. Die Probleme werden dort beginnen, wo sich die diversen Islam-Vertreter darüber einigen müssen, welche Gemeinschaft die Gelehrten für eine Uni stellen darf und welche nicht. Die Unis wiederum werden selbst auswählen wollen, welcher Islam da gepredigt wird, und auf deutsch soll es vermutlich auch noch sein. Entweder wird dieser deutsche Aufbaukurs Koran keine Akzeptanz unter den Muslimen finden oder er fügt ihnen eine weitere Splittergruppe hinzu.

Man wird sich wohl damit abfinden müssen, dass die jeweiligen Kultur- und Religionskreise sich ihre Nachwuchsseminare selbst aussuchen. Und genau genommen, würde ich mich auch dagegen verwahren, wenn Großayatollah Chamenei eine christliche Fakultät in Teheran eröffnen würde, die beispielsweise die antijüdischen Traditionen des Christentums wieder mehr in den Mittelpunkt rücken würde. Nur mal so als Beispiel.

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