Posts Tagged ‘Fernsehen’

Kein Schweigen des Lammert

Oktober 26, 2013

Eine Platte, die leiert, muss man irgendwann mal vom Teller nehmen (eine Metapher aus der analogen Tonträger-Zeit, die sich wohl nur für „best ager“ noch erschließt). Lammerts Platte leiert gewaltig! Seit Jahren wird der muntere Schöngeist aus dem Bundestagspräsidium nicht müde anzuprangern, dass die Bundestagsdebatten nicht im öffentlichen TV übertragen werden, das Fernsehen überhaupt immer schlechter werde und Lammert-TV noch nicht mal bei den Privaten läuft. Jaaaha. Volkserziehung im TV ist um das Jahr 1990 herum hierzulande abgeschafft worden und wird nur noch unter dem Titel „Monitor“ gelegentlich fortgesetzt. Und es gibt vermutlich mehr Leute, die für Fußballrechte lieber GEZ zahlen würden (ich nicht!) als für Phoenix und Arte. Das ist doof aber erlaubt und vielleicht sogar Demokratie.
Auch Beatmusik und Nietenhosen sind ein Rückschritt, wenn man das schicke Beinkleid der Romantik zum Vergleich heranzieht.
Es ist im Übrigen noch nicht einmal sicher, dass eine Casting-Show von heute beim Niveau sonderlich weit von seligen Abenden mit Kulenkampff und Rosenthal (das müsst Ihr jetzt einfach mal googlen, Greenhörner!) entfernt sind. Talent, Unterhaltung, Spannung, Schicksal… alles drin. Auslandsjournal, Mare-TV, Frontal21, Quality-Talk von vorne bis hinten und für die ganz hart Gesottenen gibt es BundestagsTV via App aufs Handy. Läuft prima, jede Debatte in voller Länge. Aber das weiß Dr. L. aus B. (Bochum) womöglich gar nicht. Vermutlich ist auch die Atemlosigkeit der mobilen Endgeräte von heute des Teufels…

Fieses Frauen-Fernsehen

September 6, 2010

Früher habe ich öfter darüber nachgedacht, ob es womöglich besser wäre, ein Mädchen zu sein. Eine Folge der ehedem beliebten Kindersendung „Die Rappelkiste“, in der eine realistische Geburt gezeigt wurde, hat mich dann aber doch nachhaltig mit meinem Geburtsgeschlecht versöhnt – so sehr, dass ich zu dem Schluss kam, man könne den Wehrdienst eher in Kauf nehmen als eine Niederkunft. Der Grundwehrdienst bei der Nationalen Volksarmee hat mich dann allerdings zu einer grundlegenden Korrektur dieses Standpunktes bewogen.

 Nun sind neue Indizien aufgetaucht, die ebenfalls die Vorzüge des Weiblichen hervorheben. So berichtet der Berliner „Tagesspiegel“ auf seiner Medienseite zum Beispiel darüber, dass deutsche TV-Serien zu wenig Vorbilder von Frauen in technischen Berufen zeigten, weshalb die Mädels in diesen Fachrichtungen noch immer unterrepräsentiert seien. Das hat die Berliner Medienwissenschaftlerin Marion Esch herausgefunden, als sie 2500 Frauen befragte. Die gaben an, in Serien eine „interessante Quelle“ für Informationen zur Berufsbildung zu finden.

 Deshalb wäre ich dann doch lieber eine Frau: Es gibt immer und für alles einen Schuldigen, wenn ich mit mir und meinem Leben nicht zufrieden bin. Das muss doch klasse sein, man rennt scharenweise zu „Sex and the city“ und kann sich hinterher darüber beklagen, dass im „Landarzt“ keine Klempnerin vorkommt. Ist doch klar, dass in so einer fiesen Gesellschaft Frauen keine Chance haben! Gut, Girlsdays hin oder her, Gender-gerechte Sprache, Frauenfußball im Abendprogramm, Straßenschilder ohne Zopf und Rock und Frauenquote im Vorstand der Telekom, alles schön und gut – aber die TV-Serien machen alles wieder kaputt.

 Zwar wird heute keinem Mädchen mehr die Carrera-Autorennbahn verwehrt und keinem Jungen die Puppe entrissen, aber trotzdem: Wenn Deutschlands Schulabgängerinnen sich nach dem Abschluss zur Berufsberatung vor den Fernseher setzen, werden sie zu Kosmetikerinnen oder Verkäuferinnen missgeleitet. Schlimm, schlimm. Und wahrscheinlich gibt es auch gute Gründe dafür, dass sie die ganzen „Männer-Krimis“ nicht sehen, in denen Aby („Navy CIS“), Alberich (Tatort Münster und all die anderen schmucken Kriminaltechnikerinnen von „CSI Miami“ bis „Criminal Intent“ rumhuschen.

Bei Frauen hat immer jemand anders schuld, das ist einfach prima. Nun hat sich der Wehrdienst offensichtlich demnächst als Argument erledigt, und Geburten bleiben trotzdem schmerzhaft, so dass das Mannsein doch wieder einige Vorzüge zurückgewinnt. Und dann ist da noch ein Grund, warum ich wohl doch keine Frau sein möchte: Ich würde mich dagegen verwahren, ständig als Blättchen im fiesen gesellschaftlichen Wind und formbares Objekt der Umstände hingestellt zu werden, dass selbst von Fernsehserien aus der Lebensbahn geworfen wird. Dafür hätte ich einfach zuviel Selbstachtung. Und ich glaube, die meisten Frauen heute auch.