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Die Moral der anderen: Die Grünen und ihre Kindersex-Debatte

September 18, 2013

Wer sich entschuldigen will, sollte ein Wort meiden: ABER.

Katrin Göring-Eckardt, Spitzenkandidatin der Grünen, hat Frauen der Union in einem Brief geantwortet, die die mangelnde Distanzierung der Spitzen-Grünen von den Kindersex-Thesen ihrer Partei kritisiert hatten.

Es habe in den 80er Jahren „schlimme Verirrungen“ gegeben, schreibt Göring-Eckardt. Ohne Übergang fügt sie an: „Ich sage aber auch ganz klar: Hören Sie auf mit diesem Thema Wahlkampf zu machen!“

Die grünen Verirrungen ein Tabu-Thema im Wahlkampf? Ausgerechnet eine Partei, die vom Essen bis zur Fortbewegung den Alltag der Menschen reglementieren möchte, will das elementare Thema ihres Menschenbildes aus dem Wahlkampf heraushalten.

Das ist absurd.

Denn in Wahrheit geht es den Grünen noch immer darum, hergebrachte Normen über Bord zu werfen und durch selbstgemachte neue zu ersetzen. Selbst nach den schlimmen Pädosex-Entgleisungen der 80er Jahre will die Grüne Jugend noch immer die bürgerliche Ehe schleifen, aus dem Grundgesetz streichen. Einsicht sieht anders aus. Mehr als ein Grund, darüber im Wahlkampf zu sprechen.

Wo denn sonst?

ABER Göring-Eckart fordert nicht nur einen von unangenehmen Fragen unbehelligten Wahlkampf für ihre Partei, sie geht auch im gleichen Schreiben wieder in das, was sie für Offensive hält: Die Sexualmoral der alten Bundesrepublik habe damals für viel Leid gesorgt schreibt sie. Außerdem hätte die Union sich lange gegen klare Gesetze gegen die Gewalt in der Ehe gesperrt, blockiert, behindert.

ABER: Wer einen Fehler gemacht hat, sollte nicht beim Entschuldigen schon auf andere zeigen!

Die Fehler anderer entschuldigen nichts. Man ent-schuldigt sich nicht, indem man andere be-schuldigt.Außerdem geht es bei der Sexualmoral von einst und bei der Gewalt in der Ehe um Konflikte unter Erwachsenen. Die angestrebte Strafbefreiung der Pädophilie ist Missbrauch wehrloser, schutzbefohlener Kinder. Im Klartext: Die Grünen sehen sich noch immer als Inhaber einer besseren, „moderneren“ Moral. Das macht ihre Entschuldigung unglaubwürdig.

Wer sich entschuldigen will und muss, sollte sich entschuldigen. Ohne wenn und vor allem ohne ABER! Wenn dies glaubwürdig sein soll, sollte gerade bei den Grünen auch einen Augenblick lang die Einsicht durchschimmern, dass es manchmal gut ist, den bestehenden unbequemen Moral-Kompass der Gesellschaft erst einmal zu verstehen, bevor man ihn krachend umstürzen will.

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Die Deutschen sind sich nicht grün

November 22, 2010

Grüne im Höhenflug, Grüne auf Wolke sieben, es grünt so grün in allen Umfragen, und die Kommentatoren sind sich nach dem Parteitagswochenende der Grünen in Freiburg nahezu einig: Wenn die Grünen tatsächlich regieren wollen, müssen sie Politik für alle machen. Warum findet das keiner komisch oder absurd? Warum muss eine Partei, die in den Umfragen führt, andere Politik machen als ihre eigene?

Es gehört zu den Eigenheiten des deutschen Politikbetriebs, dass zum Regieren nur berechtigt ist, wer eine Politik der Mitte macht. Die Deutschen kultivieren nun schon seit Jahrzehnten das Missverständnis, dass man wählen kann, was man will, und der Gewählte müsse dann Politik für die Leute machen, die ihn gewählt haben, anstatt seinem Programm zu folgen. Kein Wunder, dass es regelmäßig zu Enttäuschungen kommt.

Fragt man in Studien die Wertespektren der Deutschen ab, so vertritt eine Mehrheit eher konservative Standpunkte von Familie bis Eigenheim. In Finanzdingen erwarten die Meisten geringe Abgaben bei möglichst umfassendem staatlichem Leistungskatalog. Eine liberal-konservative Konstellation. Hinzu kommen Umweltschutz, sichere, billige Energie, Bildung und vor allem Gesundheit. Man muss den Grünen für ihren parteipolitischen Olympia-Boykott und beispielsweise der Grünen-Spitzenkandidatin von Berlin, Renate Künast, für ihre Forderung nach Tempo 30 für alle fast schon dankbar sein, weil mit solchen Ansagen klargemacht wird: Wer Grün wählt, bekommt auch Grün.

Man kann sich kein Bund Schnittlauch kaufen und anschließend darüber Beschwerde führen, es es keine Lakritz-Stangen sind. Wie wäre es, wenn man endlich aufhören würde, seine Wünsche auf Parteien und nette Politiker zu projizieren und statt dessen die Parteien beim Wort nimmt? Sprich bei ihren Programmen. Wer Grün wählt, darf nicht nur gegen längere AKW-Laufzeiten sein, er muss auch mit 30 Km/h durch die Hauptstadt kriechen wollen und lässt zur Olympiade die Glotze aus. Aber so eng sehen die Deutschen das nicht.