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Exzellent geclustert: Die Deutschen und der Islam

Dezember 3, 2010

Das mit dem Islam ist eine seltsame Sache. Man kann ihn mögen oder nicht oder einfach hinnehmen dass er da ist. Die Deutschen, so hat es eine jetzt veröffentlichte Studie des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der Universität Münster herausgefunden, sehen den Islam kritischer als die meisten Nachbarländer. Daran, so der Tenor, sei der mangelnde Kontakt von Deutschen zu Muslimen schuld. Mag sein. Wenn aber ein „Exzellenzcluster“ nicht eine Meisterröstung von Dallmayr Prodomo mit Frühstücksflocken und knackigen Haselnüssen ist, wonach es klingt, sondern eine wissenschaftliche Instanz, dann gibt diese Erhebung mehr Fragen auf, als sie beantwortet.

Die durchscheinende Unterstellung der Autoren wie auch in der medialen Wiedergabe, die Deutschen seien islamophober, hysterischer, ja fremdenfeindlicher als ihre Nachbarn lässt sich zumindest auf dieser Datenlage nicht begründen. Erst einmal müsste geklärt werden, um es einmal plump auszudrücken, wer Recht hat. Die Deutschen interessieren sich (siehe Autorin Petra Reski) nicht für die Mafia. Spinnen also die Ermittler? Hätte das Münsteraner Exzellenzcluster Mitte der 30er Jahre die Furcht vor den Deutschen in Polen erhoben, hätte es mutmaßlich auch leicht erhöhte Werte im Vergleich zu den Nachbarländern herausbekommen. Intensiverer Kontakt zu den Deutschen hat später daran übrigens nur wenig geändert…

Man kann die Studie als Augenblicksbild des relativen Verhältnisses verschiedener Gesellschaften zum Islam so stehen lassen. Mehr lässt sich daraus nicht ableiten. Das liegt schon daran, dass die Begrifflichkeiten zu schwammig sind. Interessanterweise merken die Autoren an, dass die geringen Kontakte von Deutschen zu Muslimen sich auch auf die Arbeitswelt beziehen, der kritische Blick also nicht von beruflichen Verdrängungsängsten gespeist sein kann. Da müssten sich die Deutschen eher Sorge machen, wenn ihnen ein neuer asiatischer Kollege vorgestellt wird. Das Verhältnis zu diesen und anderen Religionen und Kulturkreisen ist aber unproblematisch – obwohl die Kontakte dort nicht häufiger sind. Und warum in Deutschland Synagogen geschützt werden müssen und nicht folgerichtigerweise Moscheen, klärt die Studie auch nicht auf.

Und ganz nebenbei: Ich persönlich bin in meinem zivilisatorischen Grundgerüst soweit gefestigt, dass ich nicht erst durch persönliche Kontakte davon überzeugt werden muss, dass der Nächste vielleicht doch kein Schurke ist. Dass er es nicht ist, ist die zentrale Arbeitsthese des Abendlands, und solange mich keiner davon überzeugt, dass er mein Vertrauen nicht verdient, hat er es. Wenn man diesen Ansatz einmal als breiten Konsens – weit über Deutschland hinaus – annimmt und mit dem verbreiteten Desinteresse an Fremdem addiert, machen die Ergebnisse der Studie doch einigermaßen ratlos. Denn der Islam – darin sind sich Autoren wie Kommentatoren mehr oder weniger explizit einig – kann keine Schuld daran tragen, dass man ihn kritisch sieht. Und wie sehr.

Oder um es mit dem hannoveraner Kriminologen Christian Pfeiffer zu sagen: „Wir haben ein Imam-Problem, kein Islam-Problem.“ Er sagt das zur Kommentierung seiner jüngsten Studie, die ergeben hat, dass die Gewlattätigkeit junger Muslime mit dem Grad ihrer Religiosität steigt. Und daran, sagt Pfeiffer, sind die Imame schuld, nicht der Islam. Mag sein. Womit beschäftigen sich eigentliche diese Imame den ganzen Tag so?

Immer muss man alles selbst machen! Heute: den Islam reformieren

Januar 31, 2010

Beim Online-Auftritt der Süddeutschen Zeitung steht das Thema unter „Job & Karriere“. Junge Menschen, die noch etwas unentschieden in ihre berufliche Zukunft blicken, sollten demnach überlegen, ob Moscheevorstand nicht eine spannende Alternative zu Mediendesigner oder Versicherungskaufmann wäre. Kauffrauen kommen vermutlich nicht in den Genuss dieses Job-Angebots.

Auch der Leitartikel von Matthias Drobinski legt den Verdacht nahe, es handle sich vor allem um ein Personalproblem der muslimischen Welt dem hier Abhilfe geschaffen werden soll: „Dem Islam fehlen in dramatischer Weise Gläubige und Gelehrte, die in dieser Form fromm und aufgeklärt zugleich sind. Sie fehlen nicht, weil der Islam prinzipiell bildungsfeindlich, reformunfähig und aggressiv ist, wie jene platte Islamkritik annimmt, die sich derzeit ausbreitet und die sich der Stereotypen des 19. Jahrhunderts bedient, wonach Muslime so exotisch wie erotisch wie denkunfähig sind. Es gibt ja muslimische Gelehrte, die beschreiben, wie ein reflexionsbegabter und dialogfähiger Islam aussehen könnte, in der Türkei, in den USA, in Europa. Nur sind sie in der Minderheit, werden beschimpft und bedroht, müssen ihre Heimatländer verlassen, werden Märtyrer ihres Glaubens.“

Und das muss anders werden. Deshalb sollen deutsche Hochschulen nun also Imame ausbilden, um den Aufklärungs- und Reformstau der muslimischen Welt endlich zu beheben. Schon lästig, dass wir hier im Westen uns auch damit noch rumärgern müssen, aber wenn der Muselmann nun mal nicht zu Potte kommt mit seinem Glauben, müssen eben deutsche Fakultäten ran um die Mehrheitsverhältnisse zwischen „wahren“, aufgeklärten und falschen Moslems wieder ins Lot zu bringen. Nun ist nicht bekannt, ob die geistlichen Führer Arabiens, Persiens, im Pazifischen Raum oder in Afrika auf die deutsche Bildungsoffensive warten. Fakt ist, dass die einzurichtenden Lehrstühle, die der Wissenschaftsrat sich vorstellt, nicht nur recht teuer sind, sondern auch die „plurale Vielfalt des Islam“ widerspiegeln sollen. Ein oder zwei Hassprediger wird mal also wohl oder übel ihre Seminare abhalten lassen müssen.

Während die Finanzierung lösbar erscheint, etwa zu gleichen Teilen aus den Etats für Entwicklungshilfe (Niebel) und Antiterrorkampf (de Maiziere), ist das mit den Inhalten so eine Sache. Glaubt im Ernst wer, dass die Verfechter von Burka und Fatwah gegen Karrikaturisten sich durch eine abendländische Imam-Schwemme in die Minderheitsposition drängen lassen? Will man die Freizügigkeit, die christlichen Kirchen bei der Theologen-Ausbildung gewährt wird, kassieren, sobald unwillkommene Doktrinen vom Katheder verkündigt werden? Dann wäre es eine Farce. Und wie weit soll überhaupt die „Aufgeklärtheit“ des hiesigen Islam gehen? Kopftuch ja, Burka nein? Ausstoß vom Glauben Abgefallener (nach Hadith) ja, aber keine Steinigung? Oder wollen wir den guten Muslimen nicht gleich unsere Lebensweise per Hausordnung zur Absegnung vorlegen? Dann könnten wir die erwähnte Kauffrau auch zur Imamin umschulen.

Die deutsche Imam-Akademie ist eine gute Idee, sie ist zumindest gut gemeint. Die Probleme werden dort beginnen, wo sich die diversen Islam-Vertreter darüber einigen müssen, welche Gemeinschaft die Gelehrten für eine Uni stellen darf und welche nicht. Die Unis wiederum werden selbst auswählen wollen, welcher Islam da gepredigt wird, und auf deutsch soll es vermutlich auch noch sein. Entweder wird dieser deutsche Aufbaukurs Koran keine Akzeptanz unter den Muslimen finden oder er fügt ihnen eine weitere Splittergruppe hinzu.

Man wird sich wohl damit abfinden müssen, dass die jeweiligen Kultur- und Religionskreise sich ihre Nachwuchsseminare selbst aussuchen. Und genau genommen, würde ich mich auch dagegen verwahren, wenn Großayatollah Chamenei eine christliche Fakultät in Teheran eröffnen würde, die beispielsweise die antijüdischen Traditionen des Christentums wieder mehr in den Mittelpunkt rücken würde. Nur mal so als Beispiel.