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GeTwitter-Warnung

Juni 10, 2012

„Es genügt nicht, keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken.“ Ein Klassiker von Karl Kraus, der bis heute nicht an Gültigkeit verloren hat. Allenfalls eine kleine Aktualisierung ist nötig: „…man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken und dies dann allen mitteilen!“

Nun ist „Zwitschern“ (Twittern) zwar nett anzuhören, aber in der Vogelwelt auch nicht als Methode hochverdichteter Informationsübertragung gedacht. Im Gegenteil: konsequenter Sinn-Entzug macht Twittern erst zum wirklichen Vergnügen. Leider hat vor der Fußball-EM niemand eine GeTwitter-Warnung herausgegeben. Deshalb an dieser Stelle mal etwas Flüssig-Nahrung zurück (Liquid Feedback) an die bekloppte Netz-Gemeinde: Haltet vor der Fußball-Glotze einfach mal die Finger still!

Der alltägliche Twitter-Text-Durchfall im Hasenköttel-Format reicht völlig. Niemand braucht jetzt auch noch sinnlose „Tooooooooor!“-Tweets in der Timeline. Spart Euch dämliche Zwischenstände Eures Bierkonsums, Fußball-Binsen und peinliche Icons. Wenn das Hirn auf Standby ist, muss man nicht versuchen, via Smartphone den Rest der Welt zu synchronisieren. Niemand braucht wirre Jubel-Tweets, lustige Lautmalereien oder ahnungslose Prognosen. Wir anderen sehen auch Fußball! Oder nicht! In beiden Fällen verzichten wir gern auf Euren Twitter-Tinitus!

Und weil wir gerade mal dabei sind, liebe Netz-Gemeinde: Für Zwiegespräche kann man SMS oder Mails schicken und muss seine banal-Dialoge nicht an die Twitter-Litfassäule pinnen. Es sei denn, man hält sich für Albert Einstein und will die Welt daran teilhaben lassen. Twitter-Ökologie heißt: Hirn-Müll vermeiden bevor er entsteht! Einfach mal jeden zweiten Tweet weglassen. Löschen statt Sperren gilt übrigens auch für Politiker, die es für modern und zeitgemäß halten, per Twitter eine Art digitalen Arbeitszeitnachweis zu erstellen. „Fahre jetzt zum Feuerwehrfest nach Herne“ oder „Letzte Vorbereitungen für Haushaltsdebatte“ bitte dem Referenten erzählen, nicht dem Twitter-Server.

Oder rettet uns am Ende nur noch die Schutzgemeinschaft Hirn (Schuhi) vor der mentalen Abraumhalde, die manche da ins Netz schaufeln?!

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