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Carte blanche für die Weste blanche

Januar 21, 2010

Dumm gelaufen. Da dachte man einst, wenn früheren Stasi-Mitarbeitern die Pflicht zur Selbstoffenbarung ihrer Biographie auferlegt, wäre der Aufarbeitung genüge getan. Tatsächlich hat man das völlig neue Mittel der Selbst-Absolution in den Politikbetrieb eingeführt. Nie waren in Brandenburg so viele ehemalige IMs oder gar MfS-Hauptamtliche in öffentlichen Funktionen, auf Kandidatenlisten oder hatten ein Mandat inne. Weil sich das Selbstverständliche offenbar nicht überall von selbst versteht, ist der moralischen Bürgerpflicht mit einer kurzen Meldung „Ich war dabei“ nun genüge getan, ganz gleich, wie schäbig sich die vormaligen Zuträger verhalten haben mögen.

Die eigentlich naheliegende Annahme, wer über Jahre schwer gespitzelt und etlichen Zeitgenossen übles nachgeredet hat, käme für Amt und Würden dann – Offenlegung hin oder her – nicht mehr in Frage, erweist sich als naiver Irrtum. Während sonst in der Politik allgemein auf Verfehlung Rücktritt ohne Chance auf Wiederkehr folgt, verhilft das Eingeständnis ehemaligen Stasisten zur erlösenden Ereigniskarte für die Fortsetzung der Karriere. Nach dem Motto: Gestehe, und die bis gerettet. Die Carte blanche für die Weste blanche.