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Gute Vorsätze: Von Zirkustieren und -menschen

Dezember 31, 2011

Alles Gute, und das mit Vorsatz! Rechtzeitig zum Neuen Jahr wollen auch wir allem Schlechten abschwören und den Übeln dieser Welt den Kampf ansagen. Jüngster Feind auf der Achse des Guten: Wildtiere im Zirkus. Sogar der Deutsche Bundesrat sich unlängst mit diesem drängenden Problem der Gegenwart beschäftigt und ein Verbot in Angriff genommen. Die „Süddeutsche Zeitung“ pflichtet in der Silvester-Ausgabe bei: Wildtiere im Zirkus dienen weder der Wissensvermittlung noch dem Artenschutz.

Das ist mal ein interessanter Ansatz und würde auch erklären, warum das Finanzamt bislang das Absetzen von Zirkus-Tickets als Weiterbildungsmaßnahme abgelehnt hat. Wer jedenfalls bisher zur Unterhaltung, zum Spaß und Staunen in den Zirkus gegangen sein sollte, hat gleich einen guten Vorsatz mehr fürs Neue Jahr: Schluss mit müßigen Untugenden und zeitgeistunkonformen Kulturgütern.

Nur Miesepeter und notorische Nörgler werden einwenden, dass man anstelle eines Verbots ja auch einfach die Vorgaben für artgerechte Haltung und einen ebensolchen Transport hätte verschärfen können, anstatt dem ohnehin vom digitalen Sensationszeitalter geplagten Analog-Zirkus einen jahrhundertealten Klassiker aus dem Programm zu schneiden. Aber warum so halbherzig an die gute alte Tiernummer herangehen, wenn sie denn noch nicht einmal dem Artenschutz oder der Wissensvermittlung dient.

Gerade jetzt zum Jahreswechsel ist die Zeit, keine halben Sachen zu machen: Pferdedressur ist den Freunden groß-gütiger Fohlenaugen schließlich schon lange ein Dorn in demselben. Auch ist nicht auszuschließen, dass Trapez-Nummern das Risiko komplizierter und teuer zu therapierender Knieerkrankungen fördern. Hier gilt es, keine falschen Kompromisse zu schließen! Weg damit! Auch das Verschleudern wertvoller Leinwand und teurer Farben im Zeitalter der Digitalfotographie sollte konsequent überdacht werden.

Und überhaupt: Im Neuen Jahr wollen wir uns ganz dem Leben in Tugend und Korrektheit verschreiben. Hinweg mit fettiger Nahrung, die Lebensmittel-Ampel auf der Frontseite der Verpackung kann nur ein erster Schritt sein auf dem Weg zum Triumph des Dinkel-Brötchens. Nehmen wir das Genussmittel als solches ins Visier! Wieviel wertvolles Getreide ließe sich für die Welternährung retten, wenn es nicht in anglo-amerikanischen Destillen zu einem unterdurchschnittlich nahrhaften Getränk gebrannt würde!

Ja, es muss darum gehen, den ganzen Geist dieser Mission für ein sinnerfülltes Leben in seiner Totalität zu erfassen und ihm zu folgen: Fair gehandelte Bio-Produkte waren gestern, wer heute nicht auf CO2-Neutralität besteht, versündigt sich an kommenden Generationen! Und nicht zu vergessen, der Wasser-Index. Fleisch-Esser – wir ahnen es bereits – verbrauchen für ihren gedankenlosen Verzehr das Zehnfache der kostbaren Ressource im Vergleich zum Durchschnitts-Veganer. Der Kohlendioxid-Ausstoß eines Joggers liegt bis zu fünfmal über dem eines moderaten Spazierers. Lässt sich der Berlin-Marathon vor diesem Hintergrund überhaupt noch rechtfertigen oder sollte nicht mindestens eine Aufforstungsabgabe an Robin Wood geleistet werden für diesen Weltklima-Frevel!

Nein, gehen wir mutig ins neue Jahr: Zur Weltrettung braucht es keine Hasenfüße! Es geht um nichts weniger, als um die konsequente Vernünftigung des Menschen und seines Alltags. Unvollkommenes, Spleeniges, Genuss, Tradition, Kultur sind Feinde eines effizienten, nützlichen Lebens.

Wieder einmal sind die deutschen Wirtschaftsverbände auch hier schon einen Schritt voraus. Zum Jahreswechsel haben sie sich mit der Forderung zu Wort gemeldet, das von der CSU durchgesetzte Betreuungsgeld lieber in Betreuungseinrichtungen zu investieren. Es sei ein Irrweg, Eltern zur Betreuung der eigenen Kinder zu ermuntern und sie so vom Erwerbsleben fernzuhalten. Schließlich ist der Fachkräftemangel schon heute spürbar.

Der Mangel an Hirn offenbar auch.

Aber vielleicht habe ich das ja auch alles falsch verstanden, und die Zirkustiere sollen nur verboten werden, weil mehr Zirkusmenschen gebraucht werden. Solche, die nach Dinkel-Brötchen schnappen und klimaneutral den Kreislauf der Wirtschaft bedienen. Diesen Ungeist zu vertreiben, könnte man sich schon ein paar ordentliche Böller kosten lassen.

Zumindest aber einen guten Single Malt!

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