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Heiliger St. Allensbach

Februar 4, 2014

Auch als Protestant muss man Papst Franziskus ja eines lassen: Die Idee, Religion mit basisdemokratischen Elementen zu verbinden, ist schon ein erstaunliches Novum.  „Dein Reich komme, dein Wille geschehe…“ – falls Du eine Mehrheit unter Deinen Schäflein bekommst. Die Ergebnisse der jetzt veröffentlichten Umfrage unter deutschen Katholiken sind im Grunde nicht anders zu interpretieren, als dass großen Teilen der Gläubigen der Glauben abhanden gekommen ist. „Die Lehre der Kirche wird dort, wo sie bekannt ist (sic!), meist nur selektiv angenommen“, ist ein Fazit der Umfrage. Ein anderes betont den Respekt, den man sich von seiner Kirche vor der individuellen Lebensgestaltung erwartet.
Wie gesagt, ich bin Protestant und beschränke mich deshalb auf nüchtere Logik: Wenn man sich mit Taufe und Abendmahl zum „Schöpfer des Himmels und der Erde“ bekennt, ist es schon schwierig, SEINE Regeln lediglich dann zu akzeptieren, wenn sie im Alltag nicht stören. Umfragen sind in einer Religionsgemeinschaft schlichtweg absurd. Kein Muslim käme auf die Idee, demnächst darüber abstimmen zu lassen, ob die Hadsch künftig statt ins staubige Mekka vielleicht nicht lieber nach Paris gehen sollte.
Es ist zwar offensichtlich, dass auch immer mehr Christen das Verständnis dafür abhanden kommt, dass Gott eine höhere, also nicht gleichberechtigte, irdische Instanz ist, sondern über allem steht. Wenn man sich also zu ihm bekennt, gelten SEINE Regeln, nicht unsere. Andernfalls ist das Bekenntnis sinnlos. Wenn Gott aber Gott ist, sind Umfragen darüber, was wir von ihm und seinem Gebot halten, abwegig, weil sie Kirche einem vereinsmäßig demokratischen Verständnis unterstellen, dass beim Verbund von Anglern oder Turniertänzern sinnvoll ist, in einer Konfession nicht.
Man darf jedenfalls gespannt sein, wohin der Heilige St. Allensbach und die gütige Santa Forsa die katholische Kirche demnächst führen werden…

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